Die italienische Schuhindustrie hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Gesamtumsatz von 12,84 Mrd. Euro abgeschlossen – ein Rückgang von 2,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Damit bleibt die Branche unter Druck.
„In einem makroökonomischen Umfeld, das von geopolitischen Unsicherheiten, Restinflation und einem globalen Rückgang des Modekonsums geprägt ist, hat die Branche die Verluste bewältigt und zum Jahresende erste (zaghafte) Anzeichen für eine mögliche Trendwende gezeigt“, erklärt Giovanna Ceolini, Präsidentin des italienischen Schuhherstellerverbands Assocalzaturifici. „Die Zahl, die wir mit größter Aufmerksamkeit beobachten, ist das Umsatzwachstum von +1,1 % im letzten Quartal des Jahres. Dies ist ein ermutigendes Zeichen, das die neun Quartale andauernde Abwärtsentwicklung unterbricht. Es zeigt uns, dass wir beginnen, uns wieder zu erholen, auch wenn der Weg dorthin komplex sein wird. Wir dürfen jedoch nicht den Preis ignorieren, den unsere Produktionsstruktur zahlt: Nach den Schließungen im Jahr 2024 ist der Verlust von weiteren 173 Schuhfabriken und 2.500 Arbeitsplätzen in zwölf Monaten im Jahr 2025 eine bedeutende Zahl. Jeder Verlust an Kompetenz schwächt den Wettbewerbsvorteil, der uns weltweit einzigartig macht.“
Die Produktion sank 2025 auf 118,3 Mio. Paar (-5,5 %). Gleichzeitig bleibt der Export die tragende Säule der Branche: Mit 11,5 Mrd. Euro entfielen rund 85 % der Produktion auf Auslandsmärkte. Der Rückgang im Exportwert fiel mit minus 1,1 % vergleichsweise moderat aus.
Innerhalb Europas zeigte sich der Markt in den ersten zehn Monaten stabil bis wachstumsorientiert (+1,9 % im Wert, +7,6 % im Volumen). Deutlich schwieriger war die Lage in den außereuropäischen Märkten (-3,3 %). Besonders stark brachen die Verkäufe im Fernen Osten ein (-18 %), in China sogar um 23,4 %. Positiv entwickelte sich dagegen der Mittlere Osten (+12,9 %), wobei die Vereinigten Arabischen Emirate (+18,6 %) ihre Rolle als wichtiger Hub für das Luxussegment ausbauten. Die USA verzeichneten zwar ein Wertplus von 4,4 % (bei -2,4 % Volumen), neue Zölle nach dem USA-EU-Abkommen Ende Juli sorgen jedoch für Unsicherheit.
Auf internationaler Ebene sind Exporte weiterhin unser Lebenselixier“, fügt Ceolini hinzu, „aber die Geografie der Märkte verändert sich rapide. Die Widerstandsfähigkeit Europas und das kräftige Wachstum im Nahen Osten können den besorgniserregenden Rückgang im Fernen Osten und insbesondere in China nur teilweise ausgleichen. Der chinesische Markt, einst Lokomotive des Luxusgutssektors, befindet sich in einer Phase des Umdenkens, die uns neue Strategien abverlangt. Gleichzeitig beobachten wir die Vereinigten Staaten mit äußerster Vorsicht. Die Einführung protektionistischer Maßnahmen gerade in einem für unser High-End-Segment wichtigen Markt sorgt in einer ohnehin schon heiklen Phase für zusätzliche Unsicherheit.“
Auf dem italienischen Binnenmarkt blieb die Lage verhalten: Die Ausgaben der privaten Haushalte für Schuhe stiegen wertmäßig um 0,5 %, die Mengen blieben mit -0,1 % nahezu stabil. Einzig das Segment der Sportschuhe und Sneaker wuchs mit einem Plus von 1,4 % im Wert und liegt damit über dem Niveau von 2019.
Für das erste Halbjahr 2026 erwarten lediglich 13 % der befragten Unternehmen steigende Umsätze, 52 % gehen von Stabilität aus. Eine strukturelle Erholung wird mehrheitlich erst ab 2027 erwartet.
„Wir stehen vor einem entscheidenden Jahr“, schließt Ceolini, „in dem wir widerstandsfähig sein, innovativ sein und vor allem unsere Lieferkette schützen müssen. Wir fordern von den Institutionen konkrete Unterstützung. Nicht nur soziale Abfederungsmaßnahmen, um Phasen geringer Produktion zu bewältigen, sondern auch gezielte industriepolitische Maßnahmen, die den Generationswechsel und Investitionen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit fördern. Die italienische Schuhindustrie hat alle Voraussetzungen, um weiterhin eine führende Rolle auf den Weltmärkten zu spielen.“