Für die Unternehmensberaterin Melania Sting beginnt die Zukunft des stationären Handels nicht bei digitalen Tools oder neuen Ladenformaten, sondern bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gleich zu Beginn zitierte sie Albert Einstein: „Die reinste Form des Wahnsinns ist, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Dieses Zitat zog sich wie ein Leitmotiv durch ihren Vortrag. Veränderung sei unvermeidlich – entscheidend sei jedoch, dass Unternehmen selbst bereit seien, sich zu verändern, anstatt auf bessere Zeiten zu hoffen. Sting stellte die Frage, ob die zahlreichen Maßnahmen der vergangenen Jahre tatsächlich ausreichen. Der Handel hoffe häufig darauf, dass Kunden zurückkehrten, sich der Fachkräftemangel von selbst löse oder sich die schwierigen Marktbedingungen wieder normalisierten. Genau diese Haltung müsse überwunden werden. Veränderung beginne immer bei der eigenen Bereitschaft, Dinge anders zu machen.
Dabei richtete sie den Fokus auf die Verkaufsfläche. Aus ihrer Sicht wird dort über den Erfolg stationärer Geschäfte entschieden. Verkäuferinnen und Verkäufer seien weit mehr als reine Warenpräsentatoren: Sie seien die Gesichter des Unternehmens und transportierten dessen Werte unmittelbar zum Kunden. Entsprechend kritisch blickte Sting auf die Realität vieler Geschäfte: Personalmangel, zahlreiche Nebentätigkeiten und fehlende Zeit für Beratung führten dazu, dass die eigentliche Stärke des stationären Handels häufig verloren gehe.
Melania Stings Appell: Personalentwicklung dürfe kein Randthema sein. Produktwissen, Verkaufskompetenz und Weiterbildung seien wichtiger denn je. Denn genau darin liege der Unterschied zum Onlinehandel. „Jeder Mitarbeiter repräsentiert Sie. Jeder Mitarbeiter sind Ihre Werte, die gezeigt werden auf der Fläche.“ Wer Beratung und Begegnung als Alleinstellungsmerkmal begreife, müsse konsequent in die Menschen investieren. Ihren Vortrag widmete Sting ausdrücklich den Verkäuferinnen und Verkäufern auf der Fläche – insbesondere auch den Quereinsteigern, die häufig ohne ausreichende Einarbeitung in den Verkaufsalltag starten müssten. Kleine Veränderungen im Verhalten könnten dabei einen großen Unterschied machen.