Der Klimawandel stellt die traditionellen Saisonrhythmen der Modebranche zunehmend infrage. Längere und heißere Sommer sorgen dafür, dass Verbraucher später zu Mänteln, Jacken und anderer Herbst- und Winterware greifen – ebenso wie zu warmgefütterten Schuhen. Das berichtet Reuters anlässlich der jüngsten Paris Fashion Week.
Wie groß die Diskrepanz zwischen Mode- und Wetterkalender inzwischen sein kann, zeigte sich während der Pariser Schauen für Frühjahr/Sommer 2027, die vom 28. September bis 6. Oktober stattfanden. Bei Temperaturen von bis zu 28 Grad waren viele Besucherinnen und Besucher in ärmellosen Tops, Miniröcken oder anderer Sommerkleidung unterwegs. Gleichzeitig warben Luxusmarken bereits für ihre Herbst-/Winterkollektionen. Bei Saint Laurent etwa zeigten großformatige Anzeigen ein Model im dicken Pelzmantel, während Touristen in T-Shirts und Shorts durch Paris liefen.
„Die gesamte Branche sollte realisieren, dass sich mit dem Klimawandel und steigenden Temperaturen auch die Zeiträume für den Verkauf von Mänteln verschieben”, sagte Retail-Berater Pau Almar, der zuvor zehn Jahre für Zara tätig war, gegenüber Reuters.
Die Entwicklung betrifft nicht nur die Präsentation der Kollektionen, sondern zunehmend auch deren Gestaltung. Louis-Vuitton-Designer Nicolas Ghesquière erklärte, dass die Rekordhitzewellen in Europa einen starken Einfluss auf seine jüngste Kollektion gehabt hätten. Entsprechend setzte er unter anderem auf dünne Stoffe und luftige Konstruktionen.
Auch der Handel muss sich nach Einschätzung Almars anpassen. Wenn die warme Jahreszeit länger dauert, dürfte weniger schwere Winterware benötigt werden, während leichte und flexibel kombinierbare Übergangsprodukte an Bedeutung gewinnen.
Das birgt wirtschaftliche Risiken. Mäntel und andere Outerwear gehören zu den margenstärkeren Warengruppen. Verschiebt sich die Nachfrage nach hinten, steigt nicht nur die Gefahr von Überbeständen und Abschriften. Ein später Winterbeginn kann den Bedarf zudem immer näher an den Black Friday Ende November rücken – und Verbraucher dazu bewegen, mit dem Kauf auf Rabattaktionen zu warten. Die bislang klare Trennung zwischen Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter könnte damit weiter verschwimmen.