Die Nachrichten aus den USA beunruhigen viele Menschen – gerade auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Zugleich ist der US-amerikanische Markt interessant. Für Schuhe können vielfach deutlich höhere Preise erzielt werden. Und der Markt umfasst etwa genauso viele Kundinnen und Kunden wie der europäische. Darum will Shopfair verstärkt in den USA aktiv werden. Die Weichen dafür hat Jochen Schüttler in den vergangenen Monaten gestellt. Dabei war der Start für dieses Business eher ein Zufall oder „eine glückliche Fügung“, wie Schüttler es beschreibt. Er lernte über sein Netzwerk seinen jetzigen Geschäftspartner Lukas Anger von X-Atlantica in den USA kennen, dieser stellt die Lagerfläche in Texas und auch die notwendige Software zur Verfügung. Jochen Schüttler gründete daraufhin die Gesellschaft „Operate United“ in den USA. Sie arbeitet eng mit X-Atlantica zusammen und ist somit die Schnittstelle zwischen Deutschland und USA.
Die Firma verfügt über eine komplette Lagerstruktur in Texas und auch über die nötige Software, um Marktplätze bedienen zu können – inklusive aller Services und Schnittstellen. 2024 begannen die beiden Unternehmen eine Testphase mit ausgewählten Händlern. Das Prinzip dahinter: Der in die USA verkaufte Schuh bleibt im Falle einer Retoure dort, fließt in die dortige Infrastruktur zurück und wird zum Wiederverkauf angeboten. Konkret gehen Retouren an die Lageradresse der Operate United, die sich um alles weitere kümmert. Kein Händler in Deutschland muss also fürchten, mit Paketen aus Amerika überfrachtet zu werden. Wenn nötig, werden die Retouren aufbereitet.
Aktuell sind in den USA Amazon, Walmart und Ebay angebunden. Andere Marktplätze sollen folgen. „Wir erhoffen uns von diesem Schritt, dass wir zusätzliche Verkäufe generieren, die für den Händler lukrativ sind, gerade auch über die oft höheren Preise für Produkte“, sagt Schüttler und stellt klar: „Hinzu kommt, dass keine Retoure generiert wird. Das kann helfen, um die teils hohen Retourenquoten in Deutschland und Europa ein Stück weit zu kompensieren“. Zudem sei das Business in den USA ein Alleinstellungsmerkmal von Shopfair. Losgehen kann es quasi sofort. Der Umstieg auf Iris One ist vollzogen, die entsprechenden Schnittstellen funktionieren. Händler müssen sich allerdings der Tatsache bewusst sein, dass die Geschmäcker der US-amerikanischen Kundinnen und Kunden oft anders sind als die der deutschen oder europäischen Verbraucher. Dafür ist der Verkauf via Shopfair aber weitgehend risikofrei – „es kann ja nichts passieren“, fasst der Hamburger Händler Marcus Höhne zusammen.
Um das USA-Geschäft zu konkretisieren, stand das Team um Comercus-Gründer Alexander Hock zuletzt mit den Kollegen von Walmart intensiv im Austausch. Das Unternehmen ist seit Juli technisch angebunden. „Wir sind so weit, dass das Onboarding losgehen kann. Shopfair ist eines der ersten Unternehmen mit Direktanbindung an Walmart. Kleine Tests laufen noch“, so Hock. Danach können die Händler nach und nach starten. Es genüge ein Signal, sagt Schüttler – „und dann werden die Händler freigeschaltet.“ Nach dem Willen von Schüttler und Höhne soll Shopfair nun weiterwachsen – in Deutschland, dem europäischen Ausland und in den USA. Dabei ist den Verantwortlichen eine behutsame Entwicklung wichtig: „Wir wollen, dass unsere Händler erfolgreich arbeiten können. Dafür müssen sie Schritt halten können“, sagt Schüttler.