Selbst Deichmann beklagte das Sandalenwetter. Das Essener Unternehmen hatte 2018 mit den Folgen des ungewöhnlich langen und warmen Sommers zu kämpfen. „Ein Teil des Konsums hat daher schlichtweg nicht stattgefunden, allen voran bei geschlossenen Schuhen, aber auch bei Stiefeln“, sagte Unternehmenschef Heinrich Deichmann der Welt am Sonntag. Dies berichtet ntv in einem Online-Artikel. Dank der Eröffnung neuer Filialen rechne er für die Deichmann-Gruppe für 2018 dennoch mit Wachstum. So soll im kommenden Jahr die erste Filiale in Dubai eröffnen. Auch nach China will der Schuhhändler nach Deichmanns Worten expandieren; allerdings nur mit einem Online-Angebot. In Deutschland sieht Deichmann indes die Wachstumsgrenze erreicht. Hier gehe es „eher um die Modernisierung und Optimierung von Standorten“, so Deichmann.
Modebranche: Kreditversicherer Atradius warnt
In der Modebranche mehrten sich in den letzten Wochen des Jahres 2018 die Hiobsnachrichten: Im Dezember hatte eine Umsatz- und Gewinnwarnung des britischen Online-Modehändlers Asos Schockwellen ausgelöst. Die Papiere des Versandhändlers Zalando waren daraufhin regelrecht eingebrochen.
Auch zahlreiche traditionelle Unternehmen wie Adler, Gerry Weber oder Esprit haben Probleme. Der Kreditversicherer Atradius warnt vor den Folgen für die Branche.
In den Augen von Atradius-Mann Michael Karrenberg war 2018 für den Textilhandel ein einziges Jahr des Missvergnügens. Erst habe der heiße Sommer für bescheidene Umsätze gesorgt, dann hätten auch noch das Herbstgeschäft und der Winteranfang unter zu milden Temperaturen gelitten. Dies berichtet ntv in einem Online-Artikel. Karrenberg warnt darin: „Je länger das milde Wetter anhält, desto stürmischer dürften bald die Zeiten bei den Textilhändlern werden.“ Auch Peter Frank von der Münchner Handelsberatung BBE sieht dunkle Wolken aufziehen: „Es ist gut möglich, dass wir schon im Februar Pleiten sehen.“ Das warme Wetter im endenden Jahr 2018 sei allerdings nicht der entscheidende Faktor. Es verschärfe die Situation nur.
Das Hauptproblem aus Franks Sicht: Die Ausgaben der deutschen Verbraucher für Bekleidung sind in den vergangenen 25 Jahren kaum noch gewachsen. Gleichzeitig nimmt der Online-Handel den Geschäften in den Einkaufsstraßen einen immer größeren Teil der Umsätze weg.
Unternehmen wie Gerry Weber und Esprit kämpfen im Zuge dessen mit roten Zahlen und sind dabei, ihr Ladennetz deutlich zu verkleinern. Die Tom-Tailor-Gruppe muss laut dem Bericht von ntv auf ihre schwächelnde Damenoberbekleidungs-Tochter Bonita Wertberichtigungen von mehr als 120 Mio. Euro vornehmen. Auch die Modekette Adler korrigierte erst kürzlich ihre Umsatz- und Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr nach unten.