Zuletzt hat es während der Covid-19-Pandemie ein solches Aufbäumen gegeben. Mehrere Verbände positionierten sich im Vorfeld der Regierungsgespräche vom vergangenen Wochenende und sprachen sich vehement gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer aus. Dass es dazu nun nicht gekommen ist, wird als guter erster Schritt gewertet. Die Sorge aber bleibt, dass die Mehrwertsteuer zur Refinanzierung der geplanten Einkommenssteuerreform am Ende doch noch angepasst wird.
Und selbst wenn nicht, bleibt die Situation im Handel, namentlich im Schuhhandel, kritisch. Die Lohn- und Lohnnebenkosten belasten die Unternehmen. Die erheblich gestiegenen Energiekosten kommen erschwerend hinzu. Weiterhin hoch ist der bürokratische Aufwand. Das alles geht einher mit sinkenden Frequenzen und einer schwächelnden Kaufkraft. Die Folgen sind allerorten sichtbar: Weniger Vielfalt, mehr Leerstand und eine nachlassende Attraktivität der Innenstädte. Dies wiederum verschärft die Abwärtsspirale für den noch ansässigen Handel zusätzlich. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.
BTE-Geschäftsführer Sönke Padberg bringt das so auf den Punkt: „Wenn der Schnitt der Branche unter null rutscht, wird es ernst.“ Jetzt müsse an allen Stellschrauben gedreht werden, damit die Profitabilität des Schuhhandels gesteigert wird. Ein weiteres Sinken sei schlicht keine Option. Der BTE schlägt angesichts der kritischen Lage vor, eine Erhöhung der Eckpreislagen zu diskutieren. Auch die Möglichkeiten der Industrie seien inzwischen ausgereizt, so die Argumentation des Verbands. Schuhhersteller kämpfen ebenfalls mit steigenden Kosten – Stichwort Löhne, Energie und Bürokratie. Hinzu kommen durch den Iran-Krieg erhebliche Preissteigerungen im Bereich Materialien, Komponenten und Logistik, was den Spielraum der Unternehmen weiter einschränkt.
Die Diskussion über Eckpreislagen ist nicht neu. Und wird immer wieder emotional geführt. Die Situation der Branche ist so ernst, dass Emotionen diesmal außen vor bleiben sollten. Es darf keine Tabus geben.