„Wir spüren und sehen alle, was in unseren Innenstädten los ist“, so erklärt der Schuhhändler Marc Schreiber im Instagram-Reel, was auch ihm als Unternehmer zu schaffen macht. Die Konsequenz für ihn: Sein Store „Schreiber Family“, eröffnet im Jahr 2021, wird in den nächsten Monaten schließen. Am 15. Oktober beginnt der Räumungsverkauf in dem 300 qm großen Geschäft – spätestens Ende Februar muss das Ladenlokal übergeben werden. „Wir erleben Kundinnen und Kunden, die rein auf Bedarfsdeckung aus sind“, berichtet Marc Schreiber im Gespräch mit schuhkurier. Weniger Frequenz, deutlich weniger Impulskäufe und zunehmender Beratungsklau – all das macht dem 55-jährigen Unternehmer zu schaffen.
Mit dem Family-Konzept, das in einer früheren Quick Schuh-Filiale gleich neben dem Stammhaus in Soest eingerichtet worden war, hatte Schreiber den Versuch unternommen, das Kinderschuhangebot aus dem Hauptgeschäft herauszulösen. Es wurde im neuen Geschäft in einem aufwändig und kindgerecht gestalteten Umfeld präsentiert – ergänzt um Damen- und Herrenschuhe sowie ein Textilangebot. Im Stammhaus wurden neben Damen- und Herrenschuhen auch Barfuß- und Wanderschuhe verkauft. „Auf die Kinderschuhabteilung bin ich nach wie vor stolz. Und sie hat auch wunderbar funktioniert“, sagt Schreiber. Allerdings habe das Damen- und Herrenschuhangebot im Schreiber Family-Store nicht so von den Kinderschuhen profitiert, wie er es erhofft hatte. Die im Haupthaus fehlenden Kinderschuhumsätze seien darüber hinaus nur zu einem kleinen Teil durch die Barfuß- und Wanderschuhe kompensiert worden. Im Ergebnis performten beide Geschäfte weit schlechter als erwartet, laut Schreiber „um eine schwarze Null herum“ – für den Händler zu wenig, um an dem Konzept festzuhalten.
Mit der Schließung von Schreiber Family werden die Kinderschuhe wieder in das Stammhaus mit 250 qm Fläche umziehen. Teile der beliebten Grafitti-Wandgestaltung will Schreiber ebenfalls erhalten. Barfußschuhe sollen weiterhin ihren festen Platz im Sortiment haben; das Angebot an Wanderschuhen will der Händler indes stark zurückfahren.
Das Schuhhandelsunternehmen Schreiber führt aktuell insgesamt sechs Geschäfte in Soest, Bad Sassendorf, Schwerte und Unna. Ende dieses Monats wird die Filiale in Unna schließen. Mit der Schließung des Schreiber Family-Stores verblieben vier Standorte.