Gregor Tretter wünscht sich, dass die Zusammenarbeit, die er mit den Textilmarken erlebt, auch im Schuhbereich Schule macht. Zu beobachten, wie die Ware auf der Fläche performt, und daraus unmittelbar Rückschlüsse zu ziehen, hält er für unverzichtbar. Zu oft sei das in der Schuhbranche etablierte System zu starr und zu linear: Der Auftrag wird geschrieben, die Ware geliefert – und dann trifft man sich wieder im Showroom, wenn die nächste Orderrunde ansteht. Er habe den Eindruck, dass Vereinbarungen, die vor Jahren getroffen wurden, häufig stillschweigend weiterliefen. Dabei müsse man eigentlich jede Saison aufs Neue justieren und die Zusammenarbeit an die Kollektions- sowie Marktgegebenheiten anpassen. „Es gibt Vertreter von Marken, mit denen wir zusammenarbeiten, die wurden seit Jahren in keinem unserer Häuser gesehen“, sagt der Unternehmer. „Dabei sind wir bereit, eng mit unseren Lieferanten zu kooperieren, und freuen uns über sinnvolle Vorschläge von der Industrie.“ Ein wichtiges Instrument im Schuhbereich ist für Tretter dabei das Tool Elvis, mit dessen Hilfe Händler Zugriff auf die Lagerbestände der teilnehmenden Industrieunternehmen erhalten: „Wir nutzen Elvis extrem intensiv, weil es uns im In-Season-Management stark unterstützt.“ Marken, die das System einsetzen, seien in den Tretter-Häusern mit den Nachorderquoten deutlich erfolgreicher als andere. Der Händler könne schnell erkennen, was sich verkauft, und erfolgreiche Artikel direkt in die Filialen ohne den Umweg über das Zentrallager nachziehen. Schwächere Ware muss am Ende der Saison von Lieferantenseite von der Fläche entfernt werden. „Für uns ist es mittlerweile Pflicht, dass Ware, die nicht gut performt, von der Fläche genommen wird und Platz für Neues entsteht. Nur so kann unser Credo gelten: Das beste Produkt zur richtigen Zeit in richtiger Menge am richtigen Platz“, betont Tretter und stellt klar: „Jede Marke die mit ihrer aktuellen Saison mit Off-Pricern zusammenarbeitet, sollte sich ganz genau überlegen, ob das wirklich der richtige Weg für die Zukunft ist oder ob, wenn überhaupt, nicht eher die Rückware an Off-Pricer verkauft wird oder in anderen Kanälen wie eigenen Outlets abfließen sollte.“
Entscheidend sei dabei, den Erfolg nicht allein an der Abverkaufsquote zu messen. Tretter vermisst in der Zusammenarbeit mit Lieferanten immer wieder eine umfassendere Betrachtung der Wirtschaftlichkeit. „Es wird zu viel über die Eingangsmarge gesprochen, zu wenig über die Drehung und vor allem die Endmarge und das Endlager. Dies gehört bei den fähigen Textilmarken zur Geschäftsbeziehung.“ Gerade die Erfahrungen mit den Textillieferanten zeigten, wie wichtig es sei, Ware während der Saison aktiv zu steuern. „Die Textilmarken kommen auf die Flächen und geben Input. Es geht nicht einfach darum, reinzuverkaufen, sondern auch den Abverkauf zu betreuen.“