Die Gewerkschaft Verdi kritisiert seit mehr als zehn Jahren die Arbeitsbedingungen bei Amazon. Nach Angaben der Gewerkschaft würden Hard- und Software in den Warenlagern zur Überwachung eingesetzt und führten zu erhöhtem Leistungsdruck sowie möglichen Sanktionen gegen Beschäftigte. Silke Zimmer, Mitglied des Verdi-Bundesvorstands, fordert deshalb stärkere gesetzliche Schutzmaßnahmen, insbesondere im Hinblick auf die psychische und körperliche Gesundheit der Mitarbeiter. „Wenn Amazon im nächsten Jahr plant, 16 Mrd. Euro in Deutschland zu investieren, klingt das für Gemeinden wie eine frohe Botschaft. Mit Amazon hält aber auch eine neue ‚Arbeits-Un-Kultur‘ Einzug. Deswegen ist es wichtig, die Rechte der Beschäftigten im Blick zu behalten und sie vor der Profitgier der Tech-Oligarchen zu schützen. Der europäische Gesetzgeber muss die psychische und physische Gesundheit der Menschen vor dem permanenten Zugriff der digitalen Datenkraken schützen“, betont Zimmer.
Die Erkenntnisse aus den Gesprächen sollen in die laufenden europäischen Beratungen zum geplanten „Quality Jobs Act“ einfließen. Dieser beschäftigt sich unter anderem mit algorithmischem Management und dem Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. An der Delegation nimmt auch die Vorsitzende des Beschäftigungsausschusses des Europäischen Parlaments, Li Andersson, teil.
Bereits in der Vergangenheit stand Amazon wegen seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik. Im Februar 2024 entzog das Europäische Parlament den Lobbyisten des Unternehmens nach dessen Weigerung, an Anhörungen des Beschäftigungsausschusses teilzunehmen, die Zugangsausweise.
Der Besuch findet rund einen Monat vor dem internationalen Aktionstag „Make Amazon Pay“ am Black Friday, dem 27. November, statt. Im Rahmen der Kampagne fordert Verdi unter anderem die Anerkennung des Flächentarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel sowie einen Tarifvertrag für bessere und gesündere Arbeitsbedingungen.