Arnd Hinrich Kappe zeigte sich beim Welcome Talk zum Messestart hocherfreut. „Wir erleben hier eine echte Premiere, dabei können wir eigentlich nur Taschen und Reisegepäck“, sagte der Chef der Messe Offenbach, die traditionell die Lederwarenmesse ILM ausrichtet.
Jetzt also auch Schuhe, genau genommen Barfußschuhe, nicht nur für Kappe „ein dynamisches Segment mit Wachstumspotenzial“. Die Messe Offenbach richtet die neue Barfußmesse in Kooperation mit dem Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) und dem BTE Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren aus; beratend sind zudem die Barfußschuhhändler Kristin Fitterer und Roman Degenhardt für das Projekt tätig. Gerade darin, dass sich mehrere Akteure zusammengetan haben, sieht Kappe eine große Chance: „Wir haben alle Marktteilnehmer in einem Schuh.“
Der Geschäftsführer der Messe Offenbach sieht in der Kooperation Chancen auch für mehr: „Eine Branche braucht Verlässlichkeit. In Offenbach hat die Schuhbranche ein neues Zuhause gefunden.“
Die Zahlen der neuen Messe sprechen jedenfalls für sich: Gerechnet hatte Kappe mit 40 Ausstellern – geworden sind es 80. Zwei Drittel davon kommen aus dem Ausland, aus insgesamt 17 Ländern. 500 Händler aus 17 Ländern seien angemeldet, so Kappe. Dabei sind die ersten beiden Tage den Fachbesuchern vorbehalten, an den letzten beiden Tagen sind auch Endverbraucher willkommen. Für den Messechef ein Experiment, für das man kräftig die Werbetrommel gerührt habe: „Wir wollen die Barfußschuh-Idee kommunizieren und den Verbrauchern so breit und umfangreich wie möglich zeigen, was machbar ist.“
Torben Schütz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDS/L, gab beim Welcome Talk einige Zahlen bekannt. Die Community der Barfußschuhe sei sehr speziell, aber sie wachse. Aktuell bewege sich der Marktanteil bei 1,2 bis 1,6 % – „Branchenkenner gehen von einem Wachstum in den nächsten fünf bis zehn Jahren aus und erwarten, dass der Umsatzanteil auf 5 bis 7 % steigen wird“, so Schütz. Im Kinderschuhbereich sind Barfußschuhe schon deutlich stärker präsent. Hier dürfte der Anteil bei etwa einem Drittel des Umsatzes liegen – Tendenz steigend. Ein Grund auch für das WMS-System des HDS/L, sich für das Barfußschuh-Thema zu öffnen.
Die Zahl der Marken, die Barfußschuhe anbieten, dürfte sich demnach weiter erhöhen, denn: „In ein wachsendes Segment steigt man gerne ein.“
Einer, der vor zur H/W-Saison 25/26 eingestiegen ist, ist Carl-August Seibel. Unter seiner Submarke „Spirit of Nature“ hat das Hauensteiner Unternehmen erste Barfußschuhe auf den Markt gebracht und aus dem Stand Erfolge verbucht. Auch auf die zweite Kollektion, die dem Handel gerade vorgestellt wird, gebe es „überraschend gute“ Resonanz. Dabei sieht Unternehmer Carl-August Seibel, dass nicht nur spezialisierte Barfußschuhhändler, sondern auch der „klassische“ Schuhhandel das Thema mehr und mehr aufgreife: „Die kleine Community wird mehr und mehr Mainstream.“
Über die neue Messe in Offenbach freue er sich, so Seibel. „Die Stimmung ist super. Das ist genau das, was wir wollen.“ Der Schuhmarkt befinde sich zwar in der Krise – und trotzdem gebe es Segmente, die sich gut entwickeln und Potenzial haben. „Wir erleben einen guten ersten Start“, betonte der Unternehmer.
Auch Roman Degenhardt, Schuhhändler aus Bebra und gemeinsam mit Kristin Fitterer Geschäftsführer des Barfußschuhhändlers Zehenspiel, setzt auf das Segment. Als Mit-Initiator der Messe freue er sich, „dass so viele Aussteller und Besucher da sind, insbesondere auch aus dem Kinderschuhbereich.“ Zehenspiel war 2020 mit einem kleinen Geschäft in Erbach gestartet und hatte später das Online-Business begonnen. Momentan, so Degenhardt, sehe er jedes Jahr eine Verdopplung der Verkaufszahlen – und durchaus auch stationär, denn: „Die Kunden lassen sich gern beraten.“ Dabei reiche das Spektrum der Barfußträgerinnen und -träger von gesundheitsbewussten Menschen über junge Eltern und Outdoorfans bis hin zu stilbewusst-minimalistischen Menschen, die Wert auf Design legen und bewusst leben wollen.
Für die Kooperationspartner der neuen Messe steht fest, dass Barfußschuhe ein Segment mit Zukunft sind. Für Torben Schütz sind sie „gekommen, um zu bleiben“, für Arnd Hinrich Kappe „eine Haltung, kein Modetrend.“ Carl-August Seibel erwartet mindestens „fünf Jahre Wachstum und Chancen“ für Schuhhandel und -industrie. Und Roman Degenhardt geht davon aus, dass sich der Gesamtmarkt „mehr als verdoppeln“ wird und das Produkt Barfußschuhe für den Fachhandel sehr interessant ist.