In einem Interview mit dem Manager Magazin blickt Nicolas Berggruen kritisch auf sein früheres Engagement bei Karstadt zurück. Der Investor hatte die insolvente Warenhauskette 2010 übernommen und wurde damals öffentlich als Retter gefeiert. Nur wenige Jahre später reichte er Karstadt ohne maßgebliche Kapitalspritze an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko weiter – und geriet selbst zunehmend in die Kritik.
Heute fällt Berggruens Urteil über das Engagement eindeutig aus. „Karstadt war ein Fehler“, sagt er. Dabei bezieht er die Kritik ausdrücklich nicht allein auf den späteren Verkauf: „Nicht nur der Verkauf, sondern das ganze Investment.“ Seine damalige Entscheidung führt er auch auf Selbstüberschätzung zurück: „Geboren aus ‚Hybris‘“, formuliert er selbstkritisch. „Ich habe wirklich geglaubt, dass ich Karstadt retten könnte.“
Rückblickend sei diese Vorstellung unrealistisch gewesen. Berggruen beschreibt Karstadt als Unternehmen mit erheblichen strukturellen Problemen. Das Geschäftsmodell der klassischen Warenhäuser stand bereits damals unter Druck, zugleich bestand hoher Investitionsbedarf. Seine Hoffnung, den Konzern ohne tiefgreifende Veränderungen und erheblichen zusätzlichen Kapitaleinsatz stabilisieren zu können, habe sich als Fehleinschätzung erwiesen.
Berggruen hatte Karstadt 2010 nach der Insolvenz des damaligen Mutterkonzerns Arcandor übernommen. Der Investor zahlte symbolisch einen Euro, sagte aber zu, auf Gewinne zu verzichten und Mittel im Unternehmen zu belassen. Der Einstieg wurde zunächst mit großen Erwartungen verbunden. Berggruen selbst trat öffentlich als langfristig orientierter Eigentümer auf.
Die erhoffte nachhaltige Wende blieb jedoch aus. 2014 verkaufte Berggruen Karstadt an René Benkos Signa-Gruppe. Auch diesen Schritt sieht er heute kritisch. Im Rückblick macht er deutlich, dass nicht erst die Wahl des Käufers problematisch gewesen sei, sondern bereits seine ursprüngliche Annahme, Karstadt unter den gegebenen Bedingungen retten zu können.
Das Karstadt-Kapitel steht damit für Berggruen heute auch für eine grundsätzliche Lehre aus seiner früheren Tätigkeit als Investor. Sein Vermögen hatte er über Jahrzehnte vor allem mit Unternehmens-, Finanz- und Immobilieninvestments aufgebaut. Inzwischen hat sich der 65-Jährige weitgehend aus dem klassischen Investmentgeschäft zurückgezogen und konzentriert sich stärker auf seine philanthropische Arbeit und das von ihm gegründete Berggruen Institute.
Die Einschätzung seines damaligen Karstadt-Engagements fällt mehr als anderthalb Jahrzehnte nach dem Einstieg jedenfalls deutlich nüchterner aus: Der Glaube, einen angeschlagenen Warenhauskonzern mit vergleichsweise begrenztem Kapitaleinsatz retten zu können, war aus Berggruens heutiger Sicht weniger unternehmerischer Mut als Selbstüberschätzung.