Temu ist in Deutschland durch seine extrem niedrigen Preise populär geworden. Seit dem Start in Deutschland im Jahr 2023 hat die Plattform ihre Nutzerbasis stark ausgebaut: Monatlich besuchen über 100 Millionen Menschen die europäischen Plattformen des Konzerns. Jetzt prüft die Bonner Behörde, ob Temu Händlerinnen und Händlern auf dem deutschen Marktplatz unzulässige Vorgaben zur Preisgestaltung macht. Nach Informationen der Behörde soll Temu selbst in einzelnen Fällen Endverkaufspreise festgelegt haben.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte bereits im April Beschwerde gegen Temu eingereicht. Er wirft dem Unternehmen vor, die Preishoheit der Händler zu unterlaufen und Preisobergrenzen von maximal 85 % im Vergleich zu anderen Plattformen zu verlangen. Temu äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Ein Sprecher betonte lediglich, man halte sich an geltende Gesetze und sei zuversichtlich, Bedenken ausräumen zu können.
Bereits zuvor kritisierten Politiker, Handelsverbände und Verbraucherschützer mangelnde Produktkontrollen, zweifelhafte Qualität sowie unfaire Wettbewerbsbedingungen und fordern schärfere Regeln. Auch auf EU-Ebene läuft bereits ein Verfahren: Die EU-Kommission sieht ein hohes Risiko für Verbraucher, auf illegale oder nicht konforme Produkte zu stoßen.
In einer Pressemeldung unterstützte auch der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) das Vorgehen der Behörde. Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels betont: „In Deutschland liegt die Preishoheit eindeutig beim Handel, das muss auch so bleiben! Kein Lieferant und keine Plattform sind berechtigt, dem Händler hierzu Vorgaben zu machen.“ Er fordert zugleich ein konsequenteres Vorgehen gegen asiatische Plattformen, die mit minderwertigen Textilien, Schuhen und Accessoires den europäischen Markt überschwemmten und dabei häufig gegen nationale Vorschriften verstießen.