Die Frage ist nun, wie man beim Sneaker neue Impulse setzt. „Einige Farben hatten wir jetzt das zweite Mal in Folge, die sind nun ausgereizt“, sagt Marko Höhne. Künftig „wird es bei uns eher in die pastellige Richtung gehen“; zudem erwies sich Silber als Alternative zu Weiß, daher traut er Silber eine Rolle als Aufsteiger im nächsten Frühjahr zu. Zielsetzung dürfte für manchen Händler auch sein, Alternativen zu allzu dominierenden Sneaker-Fabrikaten anzubieten. „Das ist angesichts der zunehmenden Konzentration auf bestimmte Lieferanten und Modelle eine Herausforderung, die wir angehen müssen“, sagt Marc Neugebauer von Schuh Heinrich, sieben Filialen in Kiel, Flensburg und Lübeck. Als Ergänzung des bisherigen Sneaker-Sortiments werden bei Heinrich daher im nächsten Frühjahr Tenhaag Sneaker im Regal stehen. Mag der Sneaker auch das Grundrauschen bilden, der Damen-Schuhhandel hat in den letzten Monat nicht nur vom sportlichen Style allein gelebt. „Ballerinas und Slingpumps gehen zwar nicht in so hohen Stückzahlen, aber sie sind definitiv mehr als ein Randthema“, sagt Marc Neugebauer. „Es gibt eine Nische für Ballerinas und Slingpumps, das Interesse daran ist durchaus lebhaft“, bestätigt Marko Höhne. Die Hittcher-Kundin bevorzugt den Ballerina bisher mit runden Leisten und Slingpumps mit Absatzhöhen bis zu 45 mm sowie die Farben Schwarz, Blau und Beige.
Im Schuhhaus Koch haben Mokassins, Ballerinas und Slingpumps insgesamt zwar enttäuscht, gewisse Slings und Spangenballerinas, etwa in weißem Lack, in Orange oder Silber-Metallics, waren jedoch durchaus relevant. Auch Michael Ratter stellt fest, dass der Ballerina „als Schuhtyp wieder verstärkt wahrgenommen wird, nicht nur in Schwarz, sondern etwa auch in Signalrot“. Der Mokassin war bei Ratter „ebenfalls nicht schlecht“, insbesondere von Sioux und in kräftigen Farben oder markanten Kombinationen wie Pink mit Rot oder in Silber. Am Tegernsee waren laut Daniel Angl „vor allem pastellige Velours-Pennyloafer und spitze Tassel-Ballerinas von Gianluca Pisati“ die Renner. Offene Ware ist mancherorts bereits gut abgeflossen, an anderen Standorten braucht man noch Geduld. Bei Jung etwa wird sie laut Elisabeth Aich „mittlerweile sehr gut angefasst“; und da „der Sommer in der Urlaubsregion Bodensee einfach länger ist als anderswo“, hat sie diesbezüglich auch keine Sorge. Ute Herzog, Andante in Bonn, hat „schon im Februar offene Ware an die Damen, die Kreuzfahrten machen, verkauft“. Bei Hittcher läuft offene Ware seit April/Mai „gut, besser als im letzten Jahr zu dem Zeitpunkt“; allerdings sucht die Kundin „nichts Modisches, sondern Funktionalität“, so Marko Höhne. Im Schuhhaus Koch zieht die Sandalen-Nachfrage „immer sofort an, sobald das Wetter schön wird“, so Martina Koch-Voll, die dann gleich „viele Sandalen und Pantoletten verkauft, ob mit Plateau-Sohlen oder dünneren Böden – nur bequem müssen sie sein“. So ergibt sich insgesamt doch ein buntes und inspirierendes Bild mit klaren Signalen für die neue Orderrunde: Beim Sneaker sind attraktive Weiterentwicklungen sowie neue Farbbilder und Ideen gefragt. Bei Ballerina und Slingpumps dürfte die Aufgabenstellung sein, den bereits eroberten Marktanteil mit geschmackvollen und farblich attraktiven Styles auszubauen. Auch in Mokassin und Trotteur steckt viel Potenzial. Für Andreas Höppner ist „der Trotteur eine Warengruppe, in die wir große Hoffnung setzen“. Farblich wird es „im nächsten Frühjahr auf jeden Fall zarter“, glaubt Elisabeth Aich, sie werde „nicht mehr so bunt einkaufen und generell zurückhaltender mit Farbe umgehen“. Metallics jedoch will sie gut bewerten, und sie ist auch „begeistert von Burnt Orange, Gelb und Eukalyptus“. Dass die Lust am Schuh und an neuer Ware ungebrochen ist, beobachtet Ute Herzog gerade: „An neuer Herbstware ist schon alles gegangen, was ich da habe, von Mary-Jane bis Loafer“, so Herzog. „Modisches und Besonderheiten in hoher Qualität erfahren nach wie vor Wertschätzung, das ist ganz deutlich zu spüren.“