In einer Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform und des Handelsblatt Research Institute wurde der Zustand des Mode-Einzelhandels und der Innenstädte unter die Lupe genommen. Während mit Kleidung im ersten Halbjahr 2023 insgesamt 9,3% mehr umgesetzt wurde, gab es diverse Insolvenzen prominenter Unternehmen wie Peek & Cloppenburg, Gerry Weber und Görtz. Dabei hätten in den vergangenen Jahren vor allem die kleinen Unternehmen Anteile an prominente Player verloren. Bereits 2016 seien 45% des Schuhumsatzes auf die acht größten Händler zurückzuführen. Im Modebereich waren sogar nur sechs Händler für 51% des Umsatzes verantwortlich. Die Konsolidierung hat sich in den letzten Jahren verschärft, in der die Zahl an Insolvenzen stetig angestiegen ist. Im Modehandel gab es 2022 54 Insolvenzen, für 2023 wurden 92 Insolvenzen geschätzt. Um diese Zahlen jedoch ins Verhältnis zu setzen: 2008, während der Finanzkrise, gab es im Bekleidungseinzelhandel über 250 Insolvenzen. Weiter läuft ein großer Teil des Modeumsatzes am stationären Einzelhandel vorbei. 2022 wurden 70 Mrd. Euro mit Mode umgesetzt, davon nur 30 Mrd. im Einzelhandel. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform, führt aus: „Die Handelsbranche steht unter einem enormen Transformationsdruck durch sich verändernde Konsumgewohnheiten der Verbraucher, massive Kostensteigerungen bei Mieten in exponierten Innenstadtlagen und nicht zuletzt Personal- und Energiekosten. Dazu kamen Managementfehler. Vielfach wurden die Zeichen der Zeit ignoriert nach dem Motto: Kleidung und Waren kaufen die Menschen immer. Das stimmt auch, leider nur nicht immer im stationären Handel.“
Für die Innenstadt bedeutet das weiter sinkende Besucherzahlen. Das lässt sich jedoch nicht nur mit den aktuellen Krisen begründen. Bereits von 2008 bis 2014 haben sich die Besucherzahlen in der Innenstadt um ein Drittel gesenkt. Schließende Geschäfte machen die Stadt weiter unattraktiv, was die anderen Marktteilnehmer wiederum negativ beeinflusst. Vor dem Hintergrund müsse man die Entwicklungen der aktuellen Großbaustellen der Signa-Projekte gut beobachten, wo nun Bauruinen drohen.
Die Konsolidierungsprozesse werden weitergehen, prognostiziert Creditreform. Das wird negative und positive Auswirkungen haben, wie Hantzsch betont: „So dramatisch es sich zunächst anhört, dass viele Händler ums Überleben kämpfen müssen – es bedeutetet auch, dass wettbewerbsunfähige Geschäftsmodelle aussortiert werden und die Menschen sich dann anderen Aufgaben widmen können. Ein Strukturwandel muss volkswirtschaftlich gesehen nichts Schlechtes sein.“ Für die aktuellen Probleme des stationären Einzelhandels und der Innenstadt gebe es keine schnellen Lösungen. Wichtig sei jedoch eine Politik, die die Innenstadt wieder mehr fördert. Während die Interessensverbände vor allem Zuschüsse fordern würden, gibt Creditreform zu bedenken, dass solche Stützungsmaßnahmen allerdings die Gefahr bergen würden, dass sie lediglich notwendige Konsolidierungsprozesse verschleppten, indem sie nicht mehr tragfähige Unternehmen künstlich am Leben halten.