Über die Firma wurde bei Grossmanns zu Hause eigentlich immer gesprochen. Kein Wunder: Vater Ralf und Mutter Simone arbeiten im Unternehmen, das Geschäft gehörte zum Familienalltag. Reisen nach Asien, Kollektionen, Kunden, aber auch Probleme und manchmal schwierige Entscheidungen – Marc und Nick Grossmann bekamen früh mit, was es bedeutet, eine Firma zu führen. Trotzdem gab es von den Eltern keine Vorgabe, dass die Söhne eines Tages einsteigen müssten.
Heute aber sind beide da. Marc, 26, seit knapp drei Jahren, Nick, 24, seit Anfang dieses Jahres. Und beide betonen, dass sie diesen Weg selbst gewählt haben. „Druck von zu Hause gab es zu keinem Zeitpunkt“, sagt Marc. Natürlich sei der Wunsch des Vaters spürbar gewesen. Aber wenn es anders gekommen wäre, wäre auch das in Ordnung gewesen.
Zunächst zog es beide ohnehin weg aus Pirmasens. Marc wollte nach dem Abitur bewusst „irgendetwas im Bereich Mode, Textil machen, das nicht mit Schuhen zu tun hat“. Er absolvierte bei New Yorker in Braunschweig ein duales BWL-Studium mit Schwerpunkt Handelsmanagement und landete früh im Einkauf. Dort blieb er nach seinem Bachelorabschluss und sammelte weitere zweieinhalb Jahre Erfahrung. Lieferanten, Produkte, Einkauf – fachlich bewegte er sich damit bereits ziemlich nah an dem, was später im Familienunternehmen auf ihn wartete. Irgendwann stellte sich die Frage: Bleiben oder zu Gerli wechseln? Marc Grossmann entschied sich für Letzteres. Er ist heimatverbunden und ihn reizte die Möglichkeit, mit der Lizenzmarke Camel Active etwas aufzubauen.
Heute arbeitet Marc im Sales und Design Management und bezeichnet sich selbst als Schnittstelle zwischen Asien und Europa, zwischen Verkauf und Produktentwicklung. Gemeinsam mit dem Designer entwickelt er Kollektionen, kümmert sich um Muster, Produktionsabläufe und Liefertermine und begleitet als Key Account Großkundentermine. Die Bandbreite gefällt ihm: Produkt, Lieferanten, Kunden – und immer wieder die Frage, was am Markt funktioniert.
Nick nahm einen ähnlichen Weg. Auch er absolvierte nach dem Abitur ein duales BWL-Studium, bei EMP, einem Merchandising-Anbieter. Nach dem Bachelor wollte er noch nicht direkt ins Familienunternehmen wechseln. Mit Anfang 20 fühlte er sich schlicht zu jung dafür. „Ich wollte erstmal raus, bin nach Spanien gegangen, habe meinen Horizont erweitert.“ Erst danach kam er nach Pirmasens zurück. Sein Einstieg begann bewusst an der Basis, in der Musterabteilung. Produkt und Abläufe kennenlernen, bevor größere Verantwortung folgt. Inzwischen ist Nick ins Camel-Active-Team seines Bruders gewechselt, begleitet ihn und den Designer nach Asien und arbeitet ebenfalls an der Schnittstelle von Produkt, Marketing und Vertrieb. Trends erkennen, Ideen in die Kollektionsentwicklung einbringen und später erleben, wie diese beim Kunden ankommen – das reizt ihn.
Dass die Brüder heute so eng zusammenarbeiten, ist eine besondere Konstellation. Als Kinder, erzählen sie, seien auch schon mal die Fetzen geflogen. Inzwischen funktioniert das Zusammenspiel geräuschlos. Entscheidungen wollen sie gemeinsam mit den Verantwortlichen im Unternehmen treffen. Sie sind zwar Teil der Inhaberfamilie, aber sie sehen sich in erster Linie als Teil des Teams. Vater Ralf Grossmann verantwortet vor allem Dockers, die Söhne haben mit Camel Active ein Feld bekommen, in dem sie sich ausprobieren und in Verantwortung hineinwachsen können. Was diese Verantwortung bedeuten kann, ist den Brüdern klar: Mitarbeitende, wirtschaftliche Entscheidungen, erreichbar sein, führen. Marc und Nick Grossmann wollen sich diesen Aufgaben stellen. Sie wollen nicht übernehmen, weil es von ihnen erwartet wird. Sondern weil sie gestalten wollen.