Es hätte auch eine andere Branche werden können. Als Torben Schütz 2017 nach seinem Studium der Politikwissenschaft in Mannheim ins Berufsleben startete, war er, wie er selbst sagt, „branchenoffen“. Praktische Erfahrungen hatte er unter anderem in der Chemieindustrie in Brüssel gesammelt, zuvor lag ein Auslandsjahr in den USA hinter ihm. Was ihn interessierte, war die Verbandsarbeit. Dann schrieb der HDS/L eine Stelle als Referent für Statistik, Bildung und Digitalisierung aus. Schütz bewarb sich. Zahlen lagen ihm. Vor allem aber stimmte das Gefühl: Die Aufgabe beim Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie reizte ihn. Einen Bezug zum Produkt, dem Schuh, habe er zunächst „außer auf dem klassischen Weg als Träger“ nicht gehabt, sagt er rückblickend. Das aber sollte sich schnell ändern.
Schütz tauchte ein in die Branche. Er bereitete Zahlen und Themen für die Hauptgeschäftsführung auf, betreute Gremien, beschäftigte sich mit beruflicher Bildung und Digitalisierung. Schon kurz nach seinem Einstieg führte ihn die Arbeit nach Pirmasens, später zur Gründungsveranstaltung von Cads als eigenständiger Verein im Ledermuseum Offenbach. Ihn reizte die Heterogenität der Mitglieder: Große Unternehmen und kleine Spezialisten, Familienbetriebe und Konzerne sind dem Verband angeschlossen. Und die Arbeit in der Organisation ist ebenso vielfältig: global, europäisch, national und teilweise regional. Hinzu kommt eine Themenfülle, die sich permanent verändert.
Trotzdem verließ Torben Schütz den Verband im Jahr 2022 – vorübergehend, wie wir heute wissen. „Ich wollte noch einmal etwas anderes sehen und erleben, wie andere Verbände arbeiten“, so beschreibt er seine Entscheidung, für einen regionalen Chemieverband tätig zu werden. Als dann im Sommer 2024 die Geschäftsführer-Position beim HDS/L ausgeschrieben wurde, bewarb er sich erneut – und kehrte als Stellvertreter des langjährigen Hauptgeschäftsführers Manfred Junkert zurück; im Gepäck die Erfahrungen mit den Playern der Chemieindustrie und die Überzeugung: „Ich habe die Arbeit beim HDS/L immer ein wenig vermisst.“
Heute ist Torben Schütz als Hauptgeschäftsführer verantwortlich für die Geschicke des Verbands. Er ist Mittler und Stimme, er führt zusammen und moderiert. Und er will auch verändern. Aber nicht um der Veränderung willen. „Manche Dinge brauchen schlicht Zeit“, sagt er. „Das ist wie beim Schach. Es dauert manchmal.“ Aber Stillstand bedeute es nicht. Schütz will stärker sichtbar machen, welchen konkreten Nutzen der Verband seinen Mitgliedern bietet. Online-Veranstaltungen gehören dazu, ebenso der Wissenstransfer und Dienstleistungen, von denen einige Unternehmen zum Teil gar nicht wissen, dass sie ihnen zur Verfügung stehen. Für den jungen Hauptgeschäftsführer steckt gerade in digitalen Formaten erhebliches Potenzial, wobei er besonderen Wert auf den persönlichen Austausch mit der Branche legt.
Diese steckt gerade in einer schwierigen Phase. Marktkonzentration, Unternehmensaufgaben, Kostendruck und strukturelle Veränderungen beschäftigen auch den Verband. Schütz nimmt die Probleme ernst. Aber er ist überzeugt, dass die HDS/L-Mitglieder ihnen nicht hilflos ausgeliefert sind. Gerade in der Krise komme es darauf an, neue Wege zu finden und Mittel dort einzusetzen, wo sie Wirkung entfalten können. Das, sagt Schütz, sei die Aufgabe des Verbands.
Hat ein Mann, der täglich mit Schuh- und Taschenherstellern zu tun hat, ein Lieblingsmodell? Die Antwort des Hauptgeschäftsführers fällt – wie bei einem Verbandsmenschen zu erwarten – diplomatisch aus: „Mein Lieblingsschuh ist ein neuer Schuh.“ Denn das Produkt bleibe einerseits immer gleich und verändere sich andererseits permanent: neue Materialien, neue Farben, neue Techniken. So sieht Torben Schütz auch die Verbandsarbeit: Das Grundprinzip bleibt gleich. Aber die Anforderungen verändern sich und auch die Instrumente.