Maximilian Gugenberger und seine Schwester Laura wuchsen praktisch im und mit dem elterlichen Unternehmen auf. Das große Stammhaus von Regina Schuhe mit seinen rund 2000 qm war für die Geschwister auch Spielwiese. Und dass Maximilian eines Tages selbst im Unternehmen Verantwortung übernehmen würde, galt zumindest für seine Großmutter früh als ausgemacht. „Du wirst doch eh irgendwann in die Firma einsteigen“, habe sie ihm gesagt. Und so sollte es auch kommen.
Maximilian Gugenberger begann mit 14 Jahren, in den Ferien mitzuarbeiten: Schuhe auspacken, etikettieren, die Abläufe kennenlernen. Nach der Matura gab es keine Weltreise oder Work and Travel: Einen Monat später stand er im Unternehmen. Schnell wurde ihm allerdings klar, dass familiäre Erfahrung allein nicht reicht. Er ging nach Nagold und absolvierte berufsbegleitend den Schuhfachwirt. Zurück im Unternehmen begann Gugenberger nicht mit einer sorgfältig abgegrenzten Führungsaufgabe. Er arbeitete auf der Fläche, an der Kasse, fuhr zu Messen, kümmerte sich gemeinsam mit seinem Vater Roman um Werbung und um Expansion. Später übernahm er unter anderem die Umstellung der Warenwirtschaft. Heute ist er als Prokurist Stellvertreter seines Vaters, arbeitet im Einkauf und hat sich intensiv um Logistik und Digitalisierung gekümmert. Eine Stellenbeschreibung mit klaren Grenzen gibt es trotzdem kaum. In einem Familienunternehmen dieser Größenordnung, sagt er, müsse man im Zweifel überall Bescheid wissen. „Die Abläufe muss man selber einfach auch mal nachvollzogen haben, um mitreden zu können.“ Einer Mitarbeiterin, die seit 20 Jahren Schuhe kommissioniert, könne er schließlich schlecht erklären, wie sie ihre Arbeit optimieren soll, wenn er selbst noch nie ein Paar Schuhe kommissioniert habe.
Gerade als Sohn des Chefs war ihm das wichtig. Mit 18 oder 19 Jahren den erfahrenen Mitarbeitern zu erklären, wie das Geschäft läuft, wäre für ihn nicht infrage gekommen. Er habe sich damals „in Bescheidenheit“ geübt. Autorität, davon ist er überzeugt, entsteht ohnehin nicht durch den Nachnamen. Sie entsteht, wenn Mitarbeiter spüren, dass jemand ihre Fragen beantworten kann und versteht, wovon er spricht. Dieses Vertrauen habe er sich im Laufe seiner Zwanziger erarbeitet.
Parallel veränderte sich das Unternehmen. Als Gugenberger einstieg, gab es zwei Filialen. Heute sind es acht Standorte, dazu kommen Onlineshop sowie ein Fußpflege- und Kosmetikinstitut im Stammhaus. Gugenberger bezeichnet das Unternehmen als größten familiengeführten Schuhhändler Österreichs. Vater und Sohn kümmern sich schwerpunktmäßig um die Schuhe, Mutter Sabine und Schwester Laura um weitere Sortimente wie Lederwaren, Taschen und Accessoires; Laura verantwortete zudem Social Media und befindet sich derzeit in Karenz. Maximilian selbst arbeitet mit seinem Vater eng zusammen. Neue Standorte werden gemeinsam besichtigt, geplant und bis zur Eröffnung begleitet. Entscheidungen würden auf Augenhöhe diskutiert, sagt er. Das letzte Wort hat dennoch der Vater – schließlich trägt er als Geschäftsführer auch die wirtschaftliche Verantwortung.
Dass der Generationswechsel nicht mit einem Stichtag vollzogen werden muss, empfindet Maximilian Gugenberger als Vorteil. Der Vater kann mehrere Wochen in Urlaub fahren, weil der Sohn das Unternehmen weiterführt. Umgekehrt kann Max Termine auslassen, weil sein Vater noch da ist. Den Freiraum nutzt er auch für eine Leidenschaft, die mit Schuhen zunächst wenig zu tun hat: Gugenberger singt, spielt Klavier und macht Musik-Comedy im österreichischen Dialekt. Für sein Kabarettprogramm hat er sogar einen Preis gewonnen. Eine Alternative zum Unternehmertum ist die Bühne für ihn allerdings nicht. Rund 90 % seiner Zeit, stellt er selbst klar, beschäftige er sich mit Schuhen. Die Musik ist Ausgleich und Energiequelle. Während andere Tennis spielen oder einen Kochkurs besuchen, steht Gugenberger vor Publikum.
Dass er eines Tages noch mehr Verantwortung übernehmen wird, liegt nahe. Eilig hat es damit jedoch niemand im Unternehmen. Der Generationswechsel funktioniert bei Gugenbergers nicht als abrupte Übergabe, sondern als Prozess. Maximilian Gugenberger kann gestalten, während sein Vater noch da ist – und gleichzeitig von dessen Erfahrung profitieren.