Aufgeben ist für die junge Unternehmerin keine Option. „Ich bin Mitte 30, ich hab Bock, es macht mir Spaß. Ich will nicht nur noch fünf Jahre selbstständig sein. Ich will gestalten.“ Das Unternehmen bezeichnet sie als ihr „Lebensprojekt“ – wohl wissend, dass ein solches Projekt seine Form im Laufe der Jahre verändern kann. Transformation bedeutet für Volk-Winterer deshalb auch, Verantwortung zu teilen. Sie sieht sich nicht als Chefin, die alles besser weiß. Mitarbeitenden bewusst Gestaltungsspielraum zu geben, gehört zu ihrem Führungsverständnis. Flache Hierarchien, Du-Kultur und persönliche Nähe sind ihr wichtig. Sie möchte wissen, was die Menschen im Unternehmen bewegt, und ihnen gleichzeitig zutrauen, ihre jeweiligen Stärken einzubringen.
Auch mit ihrem Vater Uli funktioniert Zusammenarbeit vor allem über Freiraum. Gebremst habe er sie nie, erzählt Volk-Winterer. Im Gegenteil: Beide seien begeisterungsfähig, schnell für neue Ideen zu gewinnen und manchmal auch etwas zu rasch in der Umsetzung. Cousin Andy übernimmt im Führungstrio eher die Rolle des Realisten. Und natürlich kracht es zwischen Vater und Tochter gelegentlich. „Dann aber möglichst hinter geschlossener Tür“, sagt Lisa. Inzwischen sind die Verantwortungsbereiche klarer getrennt, den Einkauf organisiert sie gemeinsam mit ihrer Mutter.
Seit eineinhalb Jahren ist Volk-Winterer selbst Mutter. Tochter Mali war anfangs fast überall dabei – auch im Berufsleben. Mittlerweile geht Mali in die Kita, die beiden Großmütter unterstützen bei der Betreuung, Lisa Volk-Winterer kann ihre Arbeitswoche weitgehend normal organisieren. Den Freitagnachmittag hält sie sich aber für ihre Tochter frei.
Wo sie mit, sagen wir, 56 Jahren stehen möchte? Lisa Volk-Winterer antwortet darauf nicht mit Filialzahlen, Umsatzgrößen oder Expansionszielen. Die Zeit ist ohnehin von Veränderungen geprägt – die Unternehmerin will dafür Sorge tragen, dass die Firma immer richtig aufgestellt ist. Das ist ihr Selbstverständnis. Darüber hinaus geht es ihr um andere Faktoren. Sie möchte ihre Lebensfreude und Zuversicht behalten, ein gutes Team um sich wissen und abends in den Spiegel schauen können, ohne den eigenen Wertekompass verloren zu haben: Ehrlichkeit, Loyalität, Geselligkeit – und die Fähigkeit, Menschen zu begeistern.