schuhkurier: Sie bilden aktuell gemeinsam mit Ihrem Vater Marcus Wilke die Geschäftsführung. Wie sah Ihr Weg in die Branche und in das Familienunternehmen aus?
Paul Wilke: Für mich war eigentlich immer klar, diesen Weg einzuschlagen. Ich habe bei meinem Vater mitbekommen, wie er arbeitet und was zur Selbstständigkeit alles dazugehört. Es ist sehr inspirierend, wie ihn diese Lebensaufgabe erfüllt. Bei Mücke konnte ich als Abteilungsleiter erste Erfahrung mit Verantwortung sammeln. Mit 23 habe ich unsere neu eröffnete fünfte Filiale in Rosdorf übernommen. Mir war es wichtig, für ein Projekt nach Hause zu kommen. Nachdem der Start gemanagt war, kamen immer mehr Aufgaben dazu und jetzt trage ich mit meinem Vater die Gesamtverantwortung.
Was wollten Sie mit dem Geschäft neu oder anders machen? Und welche Ideen haben funktioniert?
Ich habe den Großteil des Marketings ins Digitale verschoben, was schnell Erfolge gezeigt hat. Ansonsten wollte ich vieles anders oder besonders machen – neue Zielgruppen erreichen, modischer einkaufen – und musste lernen, dass mit dem Brot-und-Butter-Geschäft das Geld verdient wird. Sie waren schon mit Anfang 20 Führungskraft bei zwei Unternehmen. Hatten Sie das Gefühl, sich durchsetzen zu müssen, um ernst genommen zu werden? Natürlich ist die ältere Generation teilweise skeptisch. Aber wenn man Dinge umsetzt und die funktionieren, wird das auch wahrgenommen. Ich glaube, das konnte ich immer zeitig vermitteln.
Wie empfinden Sie die Arbeit mit Ihrem Vater?
Mein Vater hat allein und von Grund auf ein respektables Unternehmen aufgebaut. Sich Aufgaben zu teilen, war auch für ihn neu. Wir geraten mal aneinander, aber Reibung ist auch ganz gut. Zum Beispiel beim Einkauf: Ich greife als jüngerer Mensch schneller Modethemen auf, er ist eher vorsichtiger. Aber wir nehmen viel voneinander mit und treffen uns meistens in der Mitte.
Was braucht ein Schuhhaus, um zukunftssicher zu sein, damit Sie das Geschäft in 30 Jahren vielleicht an die nächste Generation weitergeben können?
Das ist meiner Meinung nach vor allem eine Standortfrage. Wir sind auf der „grünen Wiese“ sehr glücklich. Es gibt noch Menschen, die hochwertige Schuhe stationär kaufen. Wir wollen für sie der regionale Anlaufpunkt sein. Dafür brauchen wir eine gute Erreichbarkeit und eine gewisse Größe, um alle Themen abzubilden. Wenn wir die Kunden dann auch erreichen und eine gute Beratung bieten, sind wir in Zukunft gut aufgestellt.
Ist die Arbeit als Selbstständiger so, wie Sie es sich als Heranwachsender vorgestellt haben?
Man merkt als Erwachsener natürlich erst, was diese Verantwortung alles bedeutet. Aber diese Arbeit erfüllt mich genauso, wie ich es mir damals erhofft habe.