Die wirtschaftliche Lage im deutschen Einzelhandel bleibt angespannt. Seit 2022 sind mehr als 70.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren gegangen, seit 2015 mussten bundesweit über 70.000 Geschäfte schließen. Gleichzeitig belasten steigende Energie-, Miet-, Logistik- und Personalkosten sowie wachsende Bürokratie und regulatorische Anforderungen die Branche erheblich. In einer HDE-Umfrage unter 600 Händlern erhält die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung die Schulnote fünf.
Vor dem Koalitionsausschuss am 1. Juli fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) daher umfassende Reformen. „Der Handel erwartet von der Politik mehr Tatkraft, mehr Tempo und vor allem spürbare Entlastungen. Die anstehenden Reformen müssen in ihrer Gesamtheit zur Überwindung der Wirtschaftskrise, zur Stabilisierung der Sozialsysteme und zu mehr Investitionen in Deutschland führen“, so HDE-Präsident Alexander von Preen. Viele Maßnahmen würden bislang zu langsam umgesetzt, während die Belastungen weiter steigen.
Im Fokus stehen insbesondere Bürokratieabbau und fairere Wettbewerbsbedingungen. „Es braucht weniger Bürokratie. Auskunfts- und Berichtspflichten müssen abgeschafft werden. Gleichzeitig muss der Wettbewerb fair sein. Player aus dem fernen Osten wie Temu oder Shein unterlaufen unsere Regelungen und verschaffen sich unfaire Vorteile. Das muss sich endlich spürbar ändern“, so von Preen.
Darüber hinaus spricht sich der Verband für steuerliche Entlastungen und eine Stärkung der Kaufkraft aus. Eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer lehnt der HDE strikt ab: „Der private Konsum befindet sich bereits in einer Schockstarre und der Einzelhandel hat nach sechs Jahren ohne reales Wachstum keine Puffer mehr.“
Auch am Arbeitsmarkt sieht der Verband Reformbedarf. Steigende Lohnnebenkosten und Eingriffe in flexible Beschäftigungsmodelle seien problematisch. „Die von der Alterssicherungskommission empfohlene de facto Abschaffung der Minijobs lehnen wir entschieden ab – das ist ein Irrweg“, betont von Preen. Minijobs seien für die Branche essenziell, um Stoßzeiten abzudecken.
Der HDE mahnt schnelles Handeln an. Ohne klare politische Impulse drohe eine weitere Verschärfung der Lage im Einzelhandel.