schuhkurier: Wie bist du in die Schuhbranche gekommen? War das geplant oder eher Zufall?
Anne Wangerin: Ich bin ein Leben lang damit groß geworden und in einer selbstständigen Familie aufgewachsen. Dadurch habe ich das Unternehmertum von zu Hause vorgelebt bekommen. Nach meinem Abitur habe ich aber erstmal in großen Konzernen gearbeitet – bei Lidl und bei QVC im Einkauf. Irgendwann kam dann der Tag, an dem mir mein Bauchgefühl gesagt hat: Jetzt bin ich ready, in die Firma meiner Eltern einzusteigen und in der Accessoire- und Schuhbranche zu arbeiten. Das ist alles ohne Druck und Erwartungen seitens meiner Eltern entstanden.
Hat es dir geholfen, zu Beginn Erfahrungen in großen Konzernen und außerhalb der Schuhbranche zu sammeln?
Auf jeden Fall. Das war für mich die Basis und wichtige Voraussetzung. Ich durfte extrem viel lernen und konnte mir während dieser Zeit ein Netzwerk aufbauen, von dem ich heute noch profitiere. Ich kann es jedem nur empfehlen, einmal raus in die große weite Welt zu gehen und zu lernen, wie es in großen Firmen und Konzernen abläuft. So kann man das, was man für sich braucht, später auch für den eigenen Weg nutzen.
Gab es einen Moment, in dem du zum ersten Mal das Gefühl hattest: „Das ist meine Branche“?
Dadurch, dass ich von klein auf damit großgeworden und absolut vertraut damit bin, habe ich die Accessoire- und Schuhbranche wirklich lieben gelernt. Das ist mein Zuhause.
Und gab es einen Moment, in dem du gezweifelt hast, ob du in der Branche bleiben willst?
Auf gar keinen Fall. Ich habe bisher noch nie gezweifelt. Ich bin mit absolutem Herzblut in meinem Job und liebe es, mein eigener Chef zu sein. Es obliegt ja auch mir selbst, ob ich andere Wege einschlage. So, wie ich mein Konzept aufgebaut habe und meine Firma führe, ist es genauso, wie unsere Kunden es lieben – und wie auch ich es liebe.
Lohnt es sich heute noch, in der Schuhbranche zu arbeiten?
Das würde ich ganz klar mit Ja beantworten. Jeder von uns braucht und trägt Schuhe. Letzten Endes ist es ein Verbrauchs-
produkt, das man wunderbar modisch inszenieren kann. Außerdem kann man ganz unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Entscheidend ist, seinen eigenen Stil und seinen eigenen Weg zu finden. Wenn man den gefunden hat, hat man auf jeden Fall eine Zukunft in der Schuhbranche.
Was müsste sich in Zukunft ändern?
Die Konsumenten sind heutzutage durch den Onlinehandel und Social-Media-Plattformen sehr gut informiert. Ich würde jedem dazu raten, all diese Plattformen zu bedienen, sodass der Endkonsument die Möglichkeit hat, sich umfassend zu informieren und zu vergleichen. Gleichzeitig schätzen die Menschen nach wie vor den Einzelhandel, vor allem die fachliche Beratung. So erlebe ich es zumindest. Je stärker man den Kunden in den Mittelpunkt stellt und sich um ihn kümmert, desto mehr weiß er das zu schätzen.
Was ist dein persönlicher Lieblingsschuh?
Das ist abhängig vom Anlass. Ich persönlich liebe Schuhe, die schick aussehen, aber komfortabel sind und in denen man den Alltag als Geschäftsfrau wunderbar meistern kann. Für den Herbst und auch generell liebe ich Boots – egal, ob sie gerade im Trend sind oder nicht.