Seit dem 12. August 2026 gilt die europäische Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR). Sie stellt die Partner entlang der Lieferkette vor neue, teils komplexe Anforderungen. Unternehmen müssen unter anderem klären, welche Rolle sie bei der Bereitstellung von Verpackungen einnehmen und welche Informationen sie dafür von ihren Geschäftspartnern benötigen.
Expertinnen und Experten aus Industrie und Handel haben unter dem Dach von GS1 Germany eine kostenfreie PPWR-Anwendungsempfehlung erarbeitet. Die Publikation ist im Rahmen des Programms „Data for Sustainability“ (D4S) entstanden und als Diskussionspapier für den branchenweiten Austausch angelegt. Sie soll insbesondere bei der Konformitätsbewertung und der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) Orientierung bieten. Nach dem EPR-Prinzip sind Unternehmen, die Verpackungen erstmals in Verkehr bringen, finanziell und organisatorisch für deren Sammlung, Recycling und Entsorgung am Lebensende verantwortlich.
Die Anwendungsempfehlung erläutert die in der PPWR definierten Rollen Erzeuger, Importeur, Vertreiber und Hersteller sowie deren jeweilige Kernpflichten. Im Fokus stehen:
- Verfahren zur Konformitätsbewertung
- technische Dokumentationen
- Konformitätserklärungen (Declaration of Conformity, DoC)
- Anforderungen im Zusammenhang mit der erweiterten Herstellerverantwortung
Anhand von vier typischen Belieferungsszenarien zeigt das Dokument, wie der Datenaustausch zwischen Industrie und Handel organisiert werden kann. Berücksichtigt werden sowohl Lieferbeziehungen innerhalb der EU als auch Importe aus Nicht-EU-Ländern. Für jedes Szenario wird dargestellt, welche Informationen die beteiligten Akteure benötigen und wie diese übermittelt werden können.
Als Grundlage für den interoperablen Austausch von Produkt- und Verpackungsinformationen empfiehlt GS1 Germany das Global Data Synchronisation Network (GDSN). Das Netzwerk ermöglicht den Austausch aktueller Produktstammdaten und soll damit die Umsetzung der PPWR-Anforderungen erleichtern. Bereits vorhandene Initiativen und Ergebnisse wurden nach Angaben von GS1 in die Orientierungshilfe integriert und harmonisiert. Die Anwendungsempfehlung steht auf der Website von GS1 Germany kostenfrei zum Download bereit.