HDS/L feiert 75-jähriges Jubiläum in Ludwigshafen
„Ein Meilenstein nach dem anderen“
- 03.07.2025
- Petra Steinke
- 1 Minute
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Headerfoto: Foto: HDS/L
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Der HDS/L-Vorsitzende Carl-August Seibel und Dr. Alexander Weiser, Bereich Performance Materials Europe, BASF (Foto: HDS/L)
Er freue sich als Ur-Pfälzer, das Jubiläum des Schuhindustrie-Verbandes in der Pfalz begehen zu dürfen „und gemeinsam 75 Jahre erfolgreicher Verbandsarbeit zu feiern“, sagte der HDS/L-Vorsitzende Carl-August Seibel. Übrigens der wiedergewählte Vorsitzende, denn nach acht Jahren an der Spitze des Verbands war Carl-August Seibel am Vormittag des 25. Juni im Rahmen der Mitgliederversammlung für weitere zwei Jahre in das Amt gewählt worden. Dankbar sei er, so Seibel, dass er acht Jahre lang einen kleinen Beitrag zum Erfolg des HDS/L habe leisten können. „Heute kann ich sagen, allen Herausforderungen und persönlichen Bedenken zum Trotz habe ich die Verbandsarbeit schätzen gelernt. Ich erlebe einen sehr engagierten Verband, der aktiv, pragmatisch und innovativ die Interessen unserer Branche vertritt.“ Gerne stehe er dem Verband für weitere zwei Jahre als Vorsitzender zur Verfügung und freue sich auf spannende weitere Aufgaben. Den Wechsel in der Geschäftsführung – Manfred Junkert wird zum Ende des Jahres in den Ruhestand gehen; ihm folgt Torben Schütz als Hauptgeschäftsführer – will Seibel noch mitbegleiten.
Der Verband, 1950 in Stuttgart gegründet, habe sich stets für die Interessen der Schuhbranche eingesetzt, führte der Vorsitzende aus. Man habe über die Jahre vieles bewegt „und wir sind dynamisch, schon vom Produkt her. Mit unserer Saisontaktung müssen wir uns quasi zweimal im Jahr neu erfinden“, so Seibel. Das sei nicht immer einfach. Der Verband engagiert sich heute auch im Bereich Aus- und Weiterbildung. Dafür gibt es das PFI mit angeschlossenem ISC und Niederlassung in Hongkong. Mit dem ECC, an dem der HDS/L beteiligt ist, hat die Branche, davon ist Seibel überzeugt, eine Plattform für den vollständigen digitalen Datenaustausch zwischen Industrie und Handel. „Diesen müssen wir weiter ausbauen, um in Zukunft nicht nur schneller, sondern vor allem auch effizienter zu arbeiten.“ Es liege auch am Handel, dieses Instrument zu nutzen.
Folgte in der 75-jährigen Geschichte des HDS/L laut Seibel „ein Meilenstein nach dem anderen“, gelte es nun, die kontinuierliche Weiterentwicklung der Verbandsstrukturen zu forcieren, um seine Relevanz zu wahren. Die Mitglieder schätzen Innovationskraft, Effizienz und die Fähigkeit des HDS/L, Lösungen zu finden. Der Verband sei „hands on“, ein Verband der kurzen Wege.
Und die Zukunft? Wenn der HDS/L 100 Jahre alt wird, werden die Herausforderungen ebenso wie heute vielfältig sein. Der Verband habe alle notwendigen Weichen gestellt, um auch in Zukunft eine starke Stimme zu haben. Mehr denn je werde es darum gehen, die viel beschworene Partnerschaft zwischen Industrie und Handel weiter auszubauen und gemeinsam mit den Verbundgruppen an einem Strang zu ziehen.
Auf Seibels persönlicher Agenda für die kommenden zwei Jahre stehen der Ausbau internationaler Partnerschaften, das Vorantreiben der Kreislaufwirtschaft und die Verjüngung des Vorstandes.
Dr. Alexander Weiser, Senior Vice President Performance Materials Europe BASF SE, freute sich in seinem Grußwort, „dass wir als Gastgeber für dieses besondere Jubiläum dienen können.“ Wenn man bedenke, wie viele Schritte in diesen 75 Jahren erfolgt seien, „kann ich nur sagen: absoluter Respekt.“
Die Verbindung zwischen BASF und der Schuh- und Lederindustrie reicht Jahrzehnte zurück, in denen BASF zunächst im Bereich der Lederchemikalien und heute auf dem Sektor der Hochleistungsmaterialien aktiv ist. Auch zu Themen wie Nachhaltigkeit arbeite man zusammen. Man setze auf Partnerschaft, Vertrauen und Transparenz. „Performance ist, was uns alle verbindet“, so Weiser. In einem Video unterstrichen dies Mitarbeitende aus BASF-Standorten weltweit, von Lemförde über Italien, Thailand, Taiwan, Singapur bis hin nach Brasilien. Und ein besonderes Geschenk gab es auch: einen edlen Wein aus dem Gründungsjahr des HDS/L, 1950.
Als Gastredner betonte der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, die Bedeutung der Region – und wusste von seiner Verbindung zum Schuh zu berichten. Schweitzer war quasi auf dem Rhein groß geworden: Sein Vater war Binnenschiffer. Erinnerungen an ein konkretes Paar Schuhe in seiner Kindheit habe er nicht – wohl aber daran, dass seine Schuhe des Öfteren über Bord gingen. Es waren übrigens meist Schuhe von Westland. Der Onkel seiner Mutter war Betriebsratsvorsitzender des Schuhherstellers gewesen.
Als Nachfolger der früheren Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte Schweitzer, so hat es Moderatorin Nicole Köster (SWR) recherchiert, erklärt, in die Fußstapfen seiner Vorgängerin treten zu wollen. Bei Größe 47,5 eine besondere Aufgabe. Für ihn sei der Schuhkauf als Jugendlicher schwierig gewesen, heute, so habe er den Eindruck, sei das fast eine Standard-Schuhgröße, erklärte Schweitzer.
Rheinland-Pfalz stehe für eine starke industrielle Tradition, auch über Ludwigshafen und die BASF hinaus. Schuh- und Lederwarenindustrie haben, so erläuterte es Schweitzer, in den zurückliegenden Jahren mit massiven Veränderungen zu kämpfen gehabt – Stichwort Transformation. Dennoch seien Regionen in der Pfalz auch heute noch von der Tradition und der Wertschöpfung der Schuhindustrie geprägt: „Rheinland-Pfalz verdankt der Branche sehr viel“, so der Ministerpräsident. Schweitzer nutzte die Gelegenheit, auch ein politisches Statement abzugeben: „Wir leben in einer Zeit, in der wir den Eindruck haben, nicht nur die Außentemperatur, sondern auch die innere Temperatur habe zugenommen. Man habe den Eindruck, Verbündete, Partner und Freunde wendeten sich von uns ab. Beispiel Handelspolitik, bei der die USA sich für einen anderen als den bisherigen Weg entschieden haben. Rheinland-Pfalz sei eines der exportstärksten Bundesländer. „Kein Land, kein Kunde würde Produkte nur annehmen, weil sie besonders günstig sind. Sie nehmen Produkte an, weil ihre Qualität gut ist.“ Darum habe man einen guten Grund, mit der EU zusammen in Gespräche mit den USA einzutreten und deutlich zu machen, „dass wir das nicht akzeptieren“. Aber auch vorsichtig zu sein, was eine Eskalationsspirale angeht. Zwar gebe es das Mittel der Gegenzölle. „Aber wenn Sie mich fragen: Das beste Ergebnis wird sein, dass wir wieder in eine Phase des regelbasierten Freihandels eintreten“, betonte Schweitzer. Zu glauben, langfristig von Zöllen profitieren zu können, sei eine Illusion: „Am Ende zahlen alle den Preis und wir alle nehmen uns Wettbewerbsfähigkeit weg.“
(von links oben nach unten): Ralph Rieker, Michael Huth, Carl-August Seibel, Manfred Junkert, Kai Moewes, Thomas Bauerfeind, Achim Bruder, Manuel Pauser, Harald Riess, Torben Schütz, Christiane Brunk, Stefan Markert, Georg Picard, Jan-Oliver Nannen, Stefan Blöchinger, Josefine Jost. Auf dem Foto fehlt HDS/L-Vorstandsmitglied Jens Beining (Wortmann). (Foto: HDS/L)
Dr. Sophie Florian, Head of Insights and Analytics Retail bei Google Germany, richtete den Blick auf die Zukunft, genauer, auf die Kunden von morgen. Anhand von Daten sieht die Expertin jederzeit genau, was die Menschen beschäftigt – weil sie danach googeln. Die Verbraucherinnen und Verbraucher, so erläuterte sie, sind einerseits mit vielen Veränderungen und sogar Disruptionen konfrontiert. Zugleich wünschen sie sich vor allem Stabilität.
Der Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre offenbart, was die Menschen umtrieb. Vor fünf Jahren – Stichwort Corona-Pandemie – suchten sie nach Onlineshops. Nachdem die Geschäfte wieder geöffnet waren, ging es um Angebote „in meiner Nähe“. Und auch übergreifende Themen wie „Inflation“ und „Zölle“ wurden intensiv gegoogelt. „Wir kommen aus fünf Jahren ständiger Veränderungen und Krisen“, so Florian.
Der Wunsch nach Sicherheit und Stabilität wirkt sich auch auf das Konsumverhalten aus. Trends wie der Adidas Samba sind laut der Expertin symbolisch dafür. Zugleich revolutioniere KI die Art, wie wir uns informieren und wie wir konsumieren. Es gebe eine sehr große Anzahl Menschen, die KI nutzen wollen, auch, um ihre Entscheidungen zu vereinfachen. Wie navigiert man in diesem Umfeld? Dr. Sophie Florian hat drei Thesen dafür vorbereitet. So sei das Interesse, mit KI zu arbeiten, sprunghaft gestiegen. Jede Stunde aktualisieren sich in der Google-Bilder-Datenbank 2 Mrd. Einträge. Das sei schlichtweg eine überfordernde Auswahl. Daraus resultiert, dass Konsumenten sich von der KI eine Vereinfachung wünschen, etwa den Laufschuh, zugeschnitten auf die individuellen Bedürfnisse. Damit habe sich auch die Produktsuche verändert. Wer früher gut im Googeln war, stellt heute andere Suchanfragen: voll ausformuliert wie z. B. „Welche Schuhe passen zu einer weiten Hose?“ – und das führe wiederum zu anderen Antworten. Suchanfragen werden immer länger, komplexer und persönlicher. Die 18- bis 24-Jährigen sind im Übrigen die Altersgruppe, die am meisten auf Google sucht. „Findet der Konsument Ihre Marke, wenn er danach sucht?“, stellte Florian die alles entscheidende Frage. „Wir sehen heute schon, dass die Unternehmen, die KI-getrieben sind, Erfolge erzielen.“ Sie sehe einen großen Vorteil darin, dass Konsumenten konkrete Suchanfragen stellen. Die KI könne helfen, die genaue Intention des Kunden herauszufinden. Die Unternehmen, die heute bereits mit KI arbeiten, können signifikant höhere Umsätze erzielen – und Trends früher erkennen.
Dabei spiele die Relevanz von Marken eine große Rolle. „Ich glaube daran, dass der Wert einer Marke sogar noch weiter ansteigen wird“, so Florian. Große Markenversprechen würden in Zukunft noch mehr Gewicht bekommen. In Zeiten der Unsicherheit überlegen Konsumenten, ob sie ein Produkt wirklich kaufen wollen.
Ist es das Geld wert? 55% der Verbraucher geben laut Google an, dass sie es sich nicht mehr leisten können, eine falsche Entscheidung zu treffen. Sie recherchieren also und informieren sich im Vorfeld eines Kaufs. Je nach Ergebnis sind sie aber auch bereit, Produkte einer Marke zu kaufen, von der sie noch nie gehört haben – wenn das Qualitätsversprechen stimmt. Wenn eine Marke in das Versprechen an ihre Konsumenten investiere, sei sie eher in der Lage, Krisen zu überstehen. „Wenn ich von Ihrer Marke überzeugt bin, kaufe ich sie. Auch zu dem Preis, den Sie aufrufen“, so Florian. Um Konsumenten zum Kauf zu bewegen, müsse man weg von der Rationalität und hin zu emotionalen Entscheidungen, davon ist die Expertin überzeugt. Der Preiskampf sei auf Dauer keine Lösung und auch nicht gesund. Zwar sei der Preis eines Produkts grundsätzlich wichtig. Trotzdem sei es die emotional aufgeladene Marke, das innovative Produkt oder auch das neue Brand mit dem jungen Auftritt, die am Ende die Kaufentscheidung auslöst – es ist schlichtweg das „Haben wollen“. „Die Währung der Zukunft ist Vertrauen“, so Florian.
„Erfolgreich im Sport – erfolgreich im Business“ – unter diesem Motto sprachen die beiden Fußballer Steffi Jones und Michael Rummenigge über ihre Karrieren, Erfolge und Ziele. Jones hat zu Beginn ihrer Karriere im Lebensmittelhandel gearbeitet – zuletzt als Marktleiterin. Um 5 Uhr morgens war sie als Erste im Laden und bearbeitete die eingegangene Ware. Sie zeigte ihrem Team, dass sie ein Vorbild war. Und dann ging es auf den Fußballplatz. Michael Rummenigge, der in seiner Karriere unter anderem zwei Jahre in Japan gespielt hat, erläuterte, dass es sowohl beim Sport als auch im Business vor allem auf Emotionen ankommt. Aus Misserfolgen lernen, ein Vorbild sein, Leistung erbringen wollen und das Gegenüber ernst nehmen, ja, ein guter Mensch sein zu wollen – das seien Qualitäten, die für nachhaltigen Erfolg stehen – darin waren sich beide einig. HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert, der selbst aktiv Fußball gespielt hat, ergänzte in der Runde: „Im Sport wie im Business kommt es auf Team-Building an.“ Das ist auch die entscheidende Komponente, die über 75 Jahre zum Erfolg des HDS/L beigetragen hat.
24. Mai 1950 Gründung in Stuttgart: 67 Unternehmer und Fachleute aus der Schuhbranche schlossen sich damals zusammen für den Austausch und die gemeinsame Interessenvertretung. Seit seiner Gründung ist der HDS/L Arbeitgeberverband und Tarifträger. Er schließt als solcher Tarifverträge zu den Verdiensten und Arbeitsbedingungen ab. Hinzugekommen sind im Laufe der Jahre weitere Aufgaben, von der Aus- und Weiterbildung über das Engagement auf Messen bis hin zu internationalen Kooperationen. Auch das Thema Nachhaltigkeit verfolgt der Verband und setzt sich unter anderem in einem Projekt für Kreislaufwirtschaft ein. 2009 verschmolzen die Landesverbände zum Bundesverband. 2012 erfolgte die Verschmelzung des HDS/L mit dem BVLK – mit dem Ziel, ein moderner Verband mit schlanken Strukturen zu werden. 2015 wurde eine Geschäftsstelle in Berlin gegründet. Aktuell hat der Verband 131 Mitglieder.
Im Rahmen der HDS/L-Mitgliederversammlung wurde der Vorstand des Verbands gewählt. Carl-August Seibel wird dem Verband für weitere zwei Jahre als Vorsitzender zur Verfügung stehen. Stellvertretende Vorsitzende sind Thomas Bauerfeind (Berkemann) und Achim Bruder (Abro). Ausgeschieden sind Ralph Rieker (Ricosta) und Christiane Brunk (Braun Büffel). Neu in den HDS/L-Vorstand gewählt wurden Stefan Blöchinger (Gabor), Josefine Jost (Jost) und Kai Moewes (Ricosta).