schuhkurier: Erinnerst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag in der Branche? Was ist dir daran besonders im Gedächtnis geblieben?
Bruno Zumnorde: Als Teil einer Unternehmerfamilie liegt dieser „erste Tag“ gefühlt sehr weit zurück. Besonders hängen geblieben ist mir mein erstes Trinkgeld: fünf Mark. Für mich als Kind bedeutete das: gefühlt 250 Süßigkeiten beim Bäcker. Das Trinkgeld bleibt heute leider meistens aus – vielleicht wäre das aber ein charmanter Ansatz für die Zukunft.
Was hat dich damals an Schuhen, Mode oder Handel gereizt? Was reizt dich heute noch daran?
Als Kind ehrlich gesagt: wenig. Als junger Erwachsener wurde Mode für mich relevanter. Als Berufseinsteiger hat mich vor allem die digitale Transformation unseres Geschäftsmodells nicht losgelassen. Heute reizt mich besonders, als Unternehmer gestalten zu können – diese Möglichkeit ist enorm.
Gab es einen Moment, in dem du gezweifelt hast, ob du in der Branche bleiben willst?
Ich bin offiziell drei Monate vor Corona ins Unternehmen eingestiegen. In meinem ersten Jahr saß ich nicht nur einmal weinend im Büro. Aber vom Klagen allein wird die Welt nicht besser. Ich bin angetreten, um zu gestalten. Genau das haben mein Cousin Thomas und ich dann auch getan. Heute sehen wir, dass die ersten Früchte dieser Arbeit sichtbar werden.
Welcher Fehler hat dich am meisten gelehrt?
In fast sieben Jahren im Unternehmen habe ich viele Fehler gemacht. Manche Personalgespräche würde ich heute anders führen. Auch meine eigene Rolle im Unternehmen hätte ich rückblickend früher klarer definieren sollen. Am meisten ärgert mich bis heute aber der erste Relaunch unseres Webshops. Bei der Due Diligence und der Auswahl der Entwicklungspartner hätte ich deutlich genauer hinschauen müssen.
Was war der beste Rat, den du je bekommen hast?
Ein wichtiger Rat war: „Bruno, sei dir der Rolle bewusst, die du in dem Raum einnehmen sollst.“ Für mich heißt das: Nicht jede Situation verlangt dieselbe Präsenz. Manchmal muss man moderieren, manchmal entscheiden, manchmal zuhören oder Orientierung geben. Entscheidend ist, vor einem Gespräch zu verstehen: Welche Verantwortung trage ich hier gerade – und welche Wirkung braucht der Raum von mir? Das Learning: Wirksamkeit entsteht nicht nur durch Inhalt, sondern durch Rollenbewusstsein.