Back to the roots
Wer in einem Familienunternehmen aufwächst, kann oft früh absehen, wohin der berufliche Weg führt. Auch für Marc Majowski gehörten Schuhe, Verkauf, Einkauf und das Alltagsgeschäft des Handels früh zu seinem Umfeld. Dass er eines Tages selbst bei Majo Schuhe einsteigt, dazu habe ihn seine Familie allerdings nie gedrängt. „Meine Eltern haben gesagt: Du musst es selbst entscheiden“, erzählt der 36-Jährige. Diese Entscheidung fiel bei ihm zunächst auf einen anderen Weg: Er absolvierte seine Ausbildung in der IT-Branche. Schließlich zog es ihn doch zurück zu den Schuhen.
Ausschlaggebend dafür sei die Vielseitigkeit des Handels gewesen. „Es ist nie monoton und immer etwas los“, sagt Majowski. Hinzu komme die Begeisterung für das Produkt: „Schuhe hat man schließlich jeden Tag an den Füßen.“ Das Unternehmen wurde 1969 von den Großeltern Edeltraud und Karl-Heinz Majowski mit einem Schuhgeschäft in Eschborn gegründet. Heute betreibt Majo Schuhe elf Filialen im Rhein-Main-Gebiet und beschäftigt rund 150 Mitarbeitende. Gemeinsam mit seinen Eltern Gerswind und Joachim Majowski arbeitet Marc – er bildet die dritte Generation – im Unternehmen. Mit seiner Mutter Gerswind kümmert er sich unter anderem um Einkauf, Order und Kundenbetreuung; sein Vater Joachim verantwortet vor allem Controlling und Backoffice.
Klare Worte
Bei der Zusammenarbeit mit den eigenen Eltern treffen auch mal unterschiedliche Auffassungen aufeinander. Das sieht Marc Majowski jedoch nicht als Nachteil. Gerade im Einkauf seien Diskussionen sogar eher hilfreich: „So schaut man sich manches noch einmal kritischer an.“ Dabei unterscheide die Familie klar zwischen Eltern-Kind-Verhältnis und professioneller Zusammenarbeit. „Wir können extrem gut switchen“, sagt er. Bei Kritik gilt: „Wenn sie berechtigt ist, nehme ich sie an.“ Eine besondere Rolle für den jungen Unternehmer spielt seine Mutter Gerswind. Sie ist für ihn nicht nur Kollegin im Unternehmen, sondern auch Vorbild – „knüppelhart und ehrlich“, wie er lachend betont. „Sie ist ein Wirbelwind – im positiven Sinne. Außerdem ist sie weitsichtig und manchmal auch unbequem. Wenn eine Kollektion nicht schön ist, sagt sie das auch. Am Ende leben wir ja auch von Marken, die aus ihren Fehlern lernen und dann im nächsten Jahr eine bessere Kollektion haben.“
Mehr Einheit, mehr Eigenständigkeit
An der Schuhbranche schätzt Majowski besonders das Netzwerk. Weil der Schuhhandel immer kleiner werde, gewinne der persönliche Austausch weiter an Bedeutung. Gleichzeitig wünscht er sich mehr Einheitlichkeit – bei Lieferscheinen, Rechnungen, administrativen Systemen – und mehr Individualität beim Produkt. „Ich würde mir wünschen, dass Kollektionen wieder stärker eine eigene Sprache sprechen, statt immer die gleichen Trends aufzugreifen.“
Kein Job für Bequeme
Was ihm mit Blick auf die Zukunft der Branche Mut mache, sei momentan schwer zu sagen, gibt Majowski ehrlich zu. „Es gibt immer mehr Baustellen, an denen wir arbeiten müssen.“ Was Mut mache, sei die Unterstützung und Zusammenarbeit mancher Marken mit dem Handel. Berufseinsteigern rät er Mut – und betont die Wichtigkeit des Austauschs untereinander. Wer viel Kraft habe und belastbar sei, dem könne er den Einstieg in die Branche empfehlen. Aber: „Man hat viele Fronten, gegen die man kämpfen muss.“