Im aktuellen Interim Economic Outlook vom 23. September erwartet die OECD für 2026 ein Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,1 %. Im Juni war die Organisation noch von 0,7 % ausgegangen. Für 2027 liegt die Prognose weiterhin bei 1,1 %.
Die bessere Einschätzung folgt auf eine zuletzt positivere Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg das BIP im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 %. Bereits im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung um 0,4 % zugelegt. Vor allem die Exportentwicklung trug zum Wachstum bei. Die preisbereinigten Warenexporte lagen im zweiten Quartal 5 % über dem Vorjahresniveau.
Auch die Weltwirtschaft hat sich nach Einschätzung der OECD bislang widerstandsfähiger gezeigt als erwartet. Für 2026 prognostiziert die Organisation ein globales Wachstum von 2,9 %, für 2027 von 3,0 %. Unterstützung kommt unter anderem von hohen Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz, die Handel und Produktion stützen.
Für den deutschen Einzelhandel zeigt sich bislang jedoch keine durchgehend positive Entwicklung: Im Juli lagen die realen Umsätze nach vorläufigen Destatis-Zahlen 3,4 % unter dem Vormonat und 2,5 % unter dem Vorjahresmonat.
Gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld angespannt. Vor allem der erneute Anstieg der Energiepreise infolge der Konflikte im Nahen Osten sorgt laut OECD für zusätzlichen Inflationsdruck. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise könnten die Kaufkraft der Haushalte schwächen und damit auch den privaten Konsum belasten. Für die G20-Staaten erwartet die OECD 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate von 4,1 %, die 2027 auf 3,6 % zurückgehen soll.
Weitere Risiken sieht die Organisation in möglichen zusätzlichen Störungen der Energieversorgung, höheren langfristigen Zinsen und einer schwächeren Entwicklung der erwarteten Erträge aus KI-Investitionen. Zugleich könnten sinkende Energiepreise im kommenden Jahr die wirtschaftliche Entwicklung wieder stärker unterstützen.
Für Deutschland bedeutet die neue Prognose damit zwar bessere Wachstumsaussichten als noch im Sommer. Die Erholung bleibt jedoch abhängig von der Entwicklung der Energiepreise, der Inflation und des internationalen Umfelds.