Der Wettbewerb mit den Onlineplattformen Temu und Shein verursacht laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE) massive wirtschaftliche Schäden. Demnach gehen der deutschen Wirtschaft jährlich 2,4 Mrd. Euro an Wertschöpfung verloren, davon 1,3 Mrd. Euro im Einzelhandel.
Ein zentraler Treiber: die enorme Paketmenge. Allein 2025 liefern Temu und Shein täglich rund 460.000 Pakete nach Deutschland, EU-weit sind es etwa zwölf Millionen Sendungen pro Tag. Gleichzeitig verstoßen die Anbieter laut Studie häufig gegen EU-Regeln – ein klarer Wettbewerbsnachteil für heimische Händler.
„Die Lage ist eindeutig. Die Politik hat bei dem Thema trotz großer Versprechungen noch immer nicht geliefert. Temu und Shein halten sich oft nicht an die rechtlichen und regulatorischen Vorgaben, liefern unsichere Ware in unseren Markt, die mitunter gesundheitsgefährdend ist, und bringen viele heimische Händler an den Rand des Ruins. Denn anders als Temu und Shein werden die hiesigen Händler streng kontrolliert und halten sich an alle Gesetze und Steuersätze“, so HDE-Präsident Alexander von Preen.
Neben Umsatzeinbußen beklagt die Studie auch erhebliche Folgen für Arbeitsmarkt und Staatskasse. Mehr als 40.000 Arbeitsplätze seien bereits weggefallen, davon über 28.000 im Einzelhandel. Gleichzeitig entgehen Bund, Ländern und Kommunen jährlich rund 429 Mio. Euro an Steuereinnahmen.
Auch auf Konsumentenseite zeigt sich die Marktmacht der Plattformen: 51 % der Käufer hätten ihre Produkte auch anderswo zum gleichen Preis erworben, 19 % wären sogar bereit gewesen, mehr zu zahlen.
Die Branche fordert daher ein entschlosseneres Eingreifen der Politik. „Die aktuellen Daten machen die Dramatik der Lage deutlich: Die massenhaften Regelverstöße von Temu und Shein schädigen den Einzelhandel und die gesamte deutsche Wirtschaft in großem Umfang. Wenn die Politik nach Jahren des Zuschauens hier nicht endlich massiv und spürbar tätig wird, dann sehe ich schwarz für den Standort Deutschland. Wenn sonst nichts hilft, muss bei solch massiven Regelverstößen der Stecker gezogen werden. Wettbewerb ist gut, aber er muss fair sein“, so von Preen weiter.
Der HDE plädiert unter anderem für strengere Zollkontrollen sowie klare rechtliche Vorgaben für Plattformen aus Drittstaaten. Parallel plant die EU bereits neue Maßnahmen: So soll künftig eine Gebühr auf Kleinsendungen erhoben werden, zudem stehen Temu und Shein wegen möglicher Verstöße gegen EU-Recht unter Beobachtung.