Neustart für den Traditions-Schuhhersteller

Peter Kaiser: Stefan Frank und Investor übernehmen Teile des Unternehmens

Stefan Frank, Peter Kaiser
Stefan Frank, Peter Kaiser

Stefan Frank, Geschäftsführer von Peter Kaiser, übernimmt zusammen mit den Investoren Hans-Joachim und Gisa Sander Vermögensgegenstände der insolventen Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH und der Peter Kaiser Retail GmbH. Der Gläubigerausschuss und der Sachwalter der Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH haben dem Verkauf zugestimmt.

Zum 1. März 2021 übernehmen die Investoren neben der Marke Peter Kaiser weitere einzelne Vermögensgegenstände der insolventen Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH und der Peter Kaiser Retail GmbH. Ausstehend ist nach Unternehmensangaben derzeit noch die Zustimmung der Peter Kaiser Retail GmbH.
Neben der Lagerware gehört hierzu auch die Immobilie in Pirmasens. Der Neustart von Peter Kaiser erfolge in verschlankter Form. Geplant sei weiterhin die Entwicklung von Musterdesignschuhen und Herstellung von Prototypen. Eine eigene Serienproduktion sieht das Konzept in Deutschland nicht mehr vor. Zum Konzept der gehöre allerdings der Weiterbetrieb von sechs eigenen Stores und des Onlineshops.
„Ich kenne Peter Kaiser seit vielen Jahren, weiß um die Stärke der Marke und die Qualität unserer Produkte und bin mir daher sicher, dass wir in neuer Konstellation unsere Kundschaft weiterhin mit unserem Angebot begeistern und zudem neue Märkte erschließen können. Ich glaube, zusammen mit meinem Team, fest an die Zukunft von Peter Kaiser und habe mich daher für dieses Investment entschieden“ erklärt Stefan Frank, Geschäftsführer und künftiger Miteigentümer von Peter Kaiser.

„Der Markt für Bekleidung und Schuhe ist bekanntermaßen hart umkämpft und unter Margendruck, die Pandemie mit ihren monatelangen Lockdowns hat den Herstellern und dem Handel enorm zugesetzt. Die Suche nach einem Investor war daher intensiv und herausfordernd. Mit Stefan Frank haben wir einen erfahrenen Unternehmer und Kenner der Branche an Bord, mit dem Ehepaar Sander einen umsichtigen Investor und Spezialisten für Markenartikel. Gemeinsam werden sie das Unternehmen Peter Kaiser unter neuen Rahmenbedingungen wieder erfolgreich auf Spur bringen können. Wir freuen uns, dass sie sich für dieses Engagement entschieden haben“, so Rechtsanwalt Martin Mucha, Generalbevollmächtigter der Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH, und Rechtsanwalt Dr. Hans Konrad Schenk, der Peter Kaiser schon vor Einleitung des Schutzschirmverfahrens rechtlich beraten hatte.

„Der Einstieg von Stefan Frank und des Investors bedeutet die Rettung für die traditionsreiche Marke Peter Kaiser. Der Verbleib der Entwicklung von Prototypen und des Schuhdesigns ist nicht nur für den Standort Pirmasens ein wichtiges Signal; auch für die Gläubiger ist dies eine gute Lösung“, ergänzt Justizrat Günter Staab, Sachwalter der Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH.

Am 14. September 2020 hatte das Traditionsunternehmen beim Amtsgericht Pirmasens einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. „Unser Ziel ist es, das Unternehmen zu sanieren“, hieß es seinerzeit seitens des Sanierungsexperten Martin Mucha, der für die Dauer des Verfahrens als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen eingetreten war, um die Geschäftsführung bei der Restrukturierung zu unterstützen. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter wurden bis Ende November über das Insolvenzgeld abgedeckt. Am 1. Dezember war das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung über die Peter Kaiser GmbH eröffnet worden. Die Lage des Unternehmens verschärfte sich mit dem zweiten Lockdown und der weitgehenden Schließung des Einzelhandels vor Weihnachten. Im Januar 2021 hatte daher auch die Peter Kaiser Retail GmbH einen Insolvenzantrag stellen müssen. Bereits im September war Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger, Stuttgart, als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen eingetreten und hat seitdem die Geschäftsführung bei der Restrukturierung und Sanierung der Peter Kaiser-Gruppe unterstützt. Als Sachwalter wurde Justizrat Günter Staab von Rechtsanwälte Staab & Kollegen, Saarbrücken, eingesetzt; Staab ist zusätzlich vorläufiger Insolvenzverwalter der Peter Kaiser Retail GmbH.

Über die zurückliegenden Wochen lief eine intensive Suche nach Investoren für das Unternehmen, begleitet von harten Einschnitten: Zum 31. Januar 2021 war 164 Beschäftigten am Standort Pirmasens die Kündigung ausgesprochen worden. 


Das sind die neuen Inhaber des Unternehmens
 

Gisela (Gisa) Sander ist Erbin des Kosmetikunternehmens Wella. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans-Joachim investiert sie unter anderem in Immobilien und Unternehmen. „Peter Kaiser ist eine Marke mit großer Tradition; sie steht für höchste Qualität der Produkte und großes handwerkliches Können. Im Aufbau und im Führen erfolgreicher Marken haben wir über Jahrzehnte umfangreiche Erfahrung gesammelt. Diese wollen wir, neben finanzieller Mittel, einbringen, um Peter Kaiser ein frisches Gesicht zu geben und in eine vielversprechende Zukunft zu führen“, so die beiden neuen Investoren.
Stefan Frank ist seit dem 1. Dezember 2017 Geschäftsführer bei Peter Kaiser. Zuvor war er bei Ara in Langenfeld sowie bei Kennel & Schmenger in Pirmasens im Vorstand bzw. in der Geschäftsführung tätig. Bei Peter Kaiser verantwortete Stefan Frank zuletzt unter anderem die Kollektionsbereiche Kollektion, Produktion, Marketing, Vertrieb und Einkauf. Manfred Klumpp, seit 1. Oktober 2017 ebenfalls Geschäftsführer, zeichnete für die Aufgabenbereiche Finanzen, Personal und IT verantwortlich.
Im Interview mit schuhkurier im Februar 2018 erklärte Frank, die Marke Peter Kaiser verfüge über viel Potenzial. Zudem kündigte er eine intensive Zusammenarbeit mit dem Handel an: „Wir arbeiten sowohl mit stationären als auch mit Onlinehändlern gut und vertrauensvoll zusammen. Das soll so bleiben – und auch gern noch intensiver werden. Ich bin überzeugt, dass wir auf dem Potenzial, das hier in Pirmasens vorhanden ist, etwas sehr Erfolgreiches aufbauen können. Ich lege großen Wert auf Konzepte, die keine Eintagsfliegen sind, sondern den Handel nachhaltig überzeugen und Vertrauen schaffen. Damit unsere Kunden sich bewusst entscheiden, ein Teil ihres Budgets in Peter Kaiser-Schuhe zu investieren. Weil sie daran glauben.“


Neue Konzepte und harte Einschnitte

Mit verschiedenen Maßnahmen stellte Stefan Frank das Traditionsunternehmen neu auf. Dazu gehörten eine Stärkung des Vertriebs, ein neues Markenimage sowie verschiedene Konzepte wie die „Shoebar“. Später kam das NOS-Konzept „Dressy Wall“ hinzu.
Im September 2018 wurde das Werk 1 in Pirmasens eröffnet, ein neu gestalteter Fabrikverkauf mit Bistro. Rund 750.000 Euro investierte das Unternehmen in den neuen Auftritt am Stammsitz.
Auch Entlassungen waren im Zuge einer Umstrukturierung des Unternehmens unvermeidlich. Anfang 2019 kündigte das Unternehmen an, 40 Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Damit sank die Zahl der in Pirmasens arbeitenden Personen auf 200.
 

Corona als Krisen-Beschleuniger

Die Corona-Pandemie traf das Unternehmen mit voller Härte. Im Interview mit schuhkurier erklärte Geschäftsführer Stefan Frank im April 2020: „Wir müssen gemeinsam kämpfen.“ Man schaffe es leider nicht, den Handel finanziell so zu unterstützen, wie es finanzstärkere Unternehmen können. „Wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit fast 95% eigener Produktion unter anderem in Deutschland, und es ist für uns nicht einfach. Wir müssen auch unsere Liquidität im Auge behalten und leider ist ein Hersteller von Schuhen – und das auch noch in Deutschland – aus Bankensicht nicht gerade ein Wunschkunde. Was wir machen können, ist, unseren Kunden weiterhin ein erstklassiges Produkt mit einer überdurchschnittlichen Marke zu bieten, die echte "Heritage" hat und außergewöhnliches Know-How in der Entwicklung und  Produktion von Schuhen. Wir haben viele Konzepte zur Unterstützung des Handels und dessen Liquiditätssicherung entwickelt, wie z.B. unser ausgeweitetes NOS-Programnm oder unsere Dressy Wall, bei der wir dem Handel die Schuhe in einem Depotkonzept zur Verfügung stellen.“

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Petra Steinke / 24.02.2021 - 12:03 Uhr

Weitere Nachrichten

Stefan Genth auf dem Handelskongress 2021 in Berlin. (Foto: HDE)

Einzelhandelsumsatz schrumpft um 2%

HDE-Prognose für 2022

In einer aktuellen Umfrage des HDE rechnen 44% von 800 befragten Unternehmen mit sinkenden Umsätzen. Der Verband geht für dieses Jahr von einem nominalen Umsatzwachstum von 3% im Vergleich zum Vorjahr aus, inflationsbereinigt rutscht der Einzelhandel 2% ins Minus.